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Kunden bemängeln UMTS-Geschwindigkeit

14.08.2008 | 13:31 Uhr |

In der Werbung behaupten Apple und AT&T, das iPhone 3G sei doppelt so schnell wie sein Vorgänger. In den USA häufen sich jedoch die Kundenbeschwerden über die Leistung des Handys.

Das schnelle mobile Internet mit Wi-Fi-ähnlicher Geschwindigkeit scheint in Wirklichkeit nur selten erreicht zu werden. Informelle Tests der PC-Welt-Kollegen von PC-World in den USA ergaben ein gemischtes Bild. Auf den Geschwindigkeitszuwachs von 600 bis 1400 Kilobit pro Sekunde, den AT&T in seinem UMTS-Netz verspricht, kam das iPhone nur mit Schwierigkeiten. Mit allen iPhones lässt sich der EDGE-Service von AT&T nutzen. Das Netz liefert eine durchschnittliche Datengeschwindigkeit von 75 bis 135 Kilobit pro Sekunde, bei Geschwindigkeitsspitzen laut Aussage von AT&T sogar 200 Kilobit pro Sekunde.

Zum Vergleich: Wi-Fi, das sich ebenfalls mit allen iPhones nutzen lässt, kommt auf 1500 Kilobit pro Sekunde. Das iPhone 3G zeigt jeweils an, welche Verbindungsart es nutzt.

Die Beschwerden auf diversen Blogs und Foren sowie die Erfahrung der amerikanischen PC-Welt-Kollegen zeigt, dass das iPhone offenbar mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs ist. Nur wenige Nutzer berichten von Wi-Fi-ähnlicher Leistung. Wie flott das iPhone ist, hängt davon ab, wo in den USA man sich befindet. Das Technik-Magazin Wired versucht, das Ausmaß des Problems in einer weltweiten iPhone-3G-Studie zu erfassen.

AT&T verlangt für die Datenservices des iPhone 3G zehn US-Dollar mehr pro Monat als für das Original-iPhone ohne UMTS-Funktionalität.

3G versus EDGE

Vom iPhone selbst sind Nutzer nach wie vor begeistert – die Verbindungsprobleme haben das Bild jedoch erheblich getrübt. Auf Technik-Website GigaOM schreibt iPhone-Nutzer Len Fischer enttäuscht: „Ich liebe das Handy, aber der UMTS-Service könnte besser sein. Mir kommt es schon so vor, als ob AT&T noch an seinem UMTS-Netz arbeitet, aber dann sollten sie uns nicht erheblich mehr zahlen für einen Dienst, der keine wirklich Verbesserung darstellt und mit schwankender Leistung arbeitet.“

Die Performance-Schwankungen sind tatsächlich das Hauptproblem. PC-Welt in den USA hat das iPhone 3G in fünf Großstädten getestet: in Chicago, Dallas, New York, Pittsburgh und San Francisco. Dabei zeigte sich, dass die Werbeversprechen weit hinter der Realität zurückbleiben. 600 Kilobit pro Sekunde wurden gar nicht erreicht, typischer Durchschnitt waren 300 Kilobit pro Sekunde. Steve Jobs versprach in seiner Keynote im Juni auf der Worldwide Developers‘ Conference 1400 Kilobit pro Sekunde, was tatsächlich annähernd Wi-Fi-Standard wäre. Und manchmal ist das iPhone sogar schneller: In einer Flughafen-Lounge kam der US-Kollege mit seinem iPhone an einem T-Mobile-Hotspot sogar auf 1663 Kilobit pro Sekunde.

Alltagserfahrungen mit dem iPhone 3G

Die kaum spürbare Geschwindigkeitssteigerung gehörte zu den ersten Dingen, die unsere US-Kollegen bemerkten, nachdem sie das iPhone 3G am ersten Verkaufswochenende im Juli erstanden hatten. In New York in einem Bereich, der von AT&T eindeutig als UMTS-fähig ausgezeichnet war, erreichte das Handy nur 200 Kilobit pro Sekunde. Das entspricht der Transferrate, die im selben Bereich mit EDGE zu erreichen war. Kein einziges Mal kam das iPhone 3G hier auf 400 Kilobit pro Sekunde.

Um die Geschwindigkeit des Datentransfers zu messen, wurde in allen Tests der iNetwork Test verwendet .

Auf Nachfrage bei AT&T zeigten sich die Techniker dort überrascht von den Testresultaten. Zwar wurden keine genaueren Angaben gemacht, aber AT&T erklärte, dass nach unseren Tests das am Netz in dem Bereich einige Änderungen vorgenommen wurden, die die Performance steigern sollten.

In San Francisco kamen die Kollegen auf durchschnittlich 325 Kilobit pro Sekunde mit dem iPhone. Das ist noch immer weit von dem versprochenen UMTS-Speed entfernt. Immerhin war die Leistung doppelt so hoch wie mit EDGE in diesem Bereich, die bei etwa 115 Kilobit pro Sekunde lag.

Die Erfahrungen, die die amerikanischen PC-Welt-Reporter in San Francisco gemacht haben, decken sich mit denen von Nutzern in anderen Bereichen der USA. „Hier in New York ist UMTS-Geschwindigkeit fast überall zu finden“, ist in einem User-Kommentar auf Macworld (www.macworld.com) zu lesen. Blogger Om Malik von GigaOM kommt zu dem Schluss, dass die Geschwindigkeiten nur leicht über denen des alten EDGE-Netzwerks liegen.

Wie schnell ist schnell?

Natürlich darf man erwarten, dass die UMTS-Leistung des iPhone 3G höher liegt als seine EDGE-Performance. An verschiedenen Orten in Pittsburgh und am Flughafen Dallas – Fort Worth International waren die UMTS-Raten beispielsweise zwei- bzw. dreimal so schnell wie mit dem EDGE-Dienst von AT&T.

Das setzt aber voraus, dass das iPhone überhaupt ein UMTS-Netz findet. Als die Kollegen ein Baseballspiel im AT&T-Park in San Francisco sehen wollten, war jedenfalls keines aufzutreiben. Manchmal war das Netz im Bereich von San Francisco nur zeitweise verfügbar und wechselte sich immer wieder mit EDGE ab. Laut AT&T soll das Netz hier noch in diesem Jahr ausgebaut werden. In Pittsburgh ergab sich dasselbe Bild.

Liegt es am Netz?

Inwiefern das Netz von AT&T für die Probleme verantwortlich ist und wie viel Schuld das iPhone trägt, bleibt unklar. Das UMTS-Netz ist noch am Wachsen: Der Mobilfunkanbieter erklärt, er biete 3G-Dienste im Einzugsbereich von 305 amerikanischen Großstädten an, bis Ende 2008 sollen noch 45 weitere hinzukommen. Damit liegt AT&T noch immer vor seinem Konkurrenten T-Mobile, der sein UMTS-Netz im Oktober offiziell in 20 Städten starten wird. Anfangs sollen Geschwindigkeiten von 200 bis 300 Kilobit pro Sekunde erreicht werden.

Allein am AT&T-Netz kann es aber nicht liegen. Nutzer berichten auch von Verbindungsproblemen mit Anbietern im Ausland, beispielsweise in Kanada oder Europa. Nachdem Apple die iPhone 2.01 Firmware veröffentlichte, berichteten einige Anwender von drastischen Performancesteigerungen beim Aufruf von Webseiten.

Bei den PC-Welt-Kollegen in den USA hinterlässt das iPhone 3G einen gemischten Eindruck. Die Leistung steigerte sich moderat um durchschnittlich 100 Kilobit pro Sekunde. Von den angeblich typischen 600 Kilobit pro Sekunde sind sie noch weit entfernt. Die Leistung, die AT&T für sein UMTS-Netz verspricht, wurde noch nicht einmal annähernd erreicht. Natürlich ist Netzleistung nie konstant, was sich je nach Aufenthaltsort des Nutzers auch auf die Performance des iPhone 3G auswirkt.

Aber für einen Dienst, der 10 US-Dollar mehr kostet als der Vorgänger im letzten Jahr und der an die Leistung von Wi-Fi herankommen will, sind das eine ganze Menge an Unwägbarkeiten.

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