iPad, Windows, Android

Kommt die Dreiklassen-Gesellschaft bei Tablet-PCs?

Dienstag, 19.06.2012 | 17:14 von Hans-Christian Dirscherl
Das iPad ist das Maß aller Dinge. Wo lässt der Tablet-Markt noch Luft für Konkurrenten?
Vergrößern Das iPad ist das Maß aller Dinge. Wo lässt der Tablet-Markt noch Luft für Konkurrenten?
© Apple
Wie werden sich die Surface-Tablets positionieren? Sind sie wirklich eine Konkurrenz für das Apple iPad? Oder verdrängen sie die ohnehin noch schwachen Android-Tablets? Finden Android-Tablets nur noch als Billigheimer eine Marktlücke? PC-WELT wagt eine Prognose.
Mit der Vorstellung seiner beiden Surface-Tablets werden die Karten auf dem Tablet-Markt neu gemischt. Microsoft setzt seine eigenen Hardware-Partner mächtig unter Druck; diese müssen nun gleichwertige Windows-8/RT-Tablets vorstellen, wenn sie vom Tablet-Kuchen ein Stück abbekommen wollen.

Bisher war Microsoft mit wechselhaften Erfolg als Hardware-Hersteller aufgetreten: Bei Tastaturen und PC-Mäusen konnte Microsoft durchaus Erfolge vermelden, die Xbox ist sogar ein echter Renner. Bei anderen Produkten wie dem MP3-Player Zune und den Kin-Handys legten die Redmonder dagegen eine Bauchlandung hin.

Microsoft Surface mit Windows 8 bzw. Windows RT
Vergrößern Microsoft Surface mit Windows 8 bzw. Windows RT
© Microsoft

Microsoft geht ein kalkuliertes Risiko ein

Das Vorstellen eines eigenen Rechners – nichts anderes sind die beiden Tablets ja – hat aber eine ganz andere Größenordnung. Microsoft riskiert damit seine bisherigen Hardware-Partner vor den Kopf zu stoßen. Dabei handelt es sich aber um ein wohl kalkuliertes Risiko, weil die meisten von Microsofts Hardware-Partner sich bisher mit denkbar geringem Erfolg als Hersteller von Android-Tablets versucht haben. Angesichts des Misserfolgs der Android-Tablet-PCs setzt Microsoft sicherlich zu Recht darauf, dass die Hardware-Hersteller Microsoft weiter die Stange halten und nicht untreu werden. Microsoft vertraut darauf, dass HP, Acer, Asus und wie sie alle heißen auf den Windows-8/RT-Zug aufspringen und nun ebenfalls leistungsfähige Windows-8-Tablets vorstellen. Das dürfte dann aber auf Kosten der bis dato recht erfolglosen Android-Tablets gehen. Wenn sich ein Hardware-Hersteller angesichts knapper Ressourcen und der Gewinnerwartung seiner Anteilseigner entscheiden muss, ob er Windows-Tablets oder Android-Tablets produzieren soll, wofür wird er sich wohl entscheiden..?


Da Microsoft bis jetzt weder die Preise der beiden Surface-Modelle genannt hat, kann man über die genau Positionierung der Windows-Tablets nur spekulieren. Analysten wie Al Gillen von IDC erwarten für die günstigeren Windows-RT-Tablets Preise zwischen 400 und 500 US-Dollar. Vermutlich werden viele Privatanwender Windows RT-Geräte als iPad-Konkurrenten wahrnehmen und auch mit dementsprechenden Preisen rechnen. Bei Windows-8-Tablets haben Microsoft und seine Hardware-Partner dagegen einen größeren Spielraum – nach oben. Denn Windows-8-Tablets dürften als PC- und Notebook/Ultrabook-Ersatz angesehen werden und dementsprechend mehr kosten. Das gilt ganz besonders für den professionellen Einsatz in Unternehmen.

Der künftige Tablet-Markt: Luxuriöses iPad, viel Windows und etwas Android...

Wie könnte also künftig der Tablet-Markt aussehen? Denkbar wäre folgende Aufteilung: Das Apple iPad bleibt State-of-The-Art für die Luxusklasse der Tablet-PCs, es setzt Maßstäbe bei Leistung, Design, Benutzerfreundlichkeit und Status. Preislich darüber dürfte es hochwertig ausgestattete Windows-8-Tablets geben, die als vollwertiger PC-/Notebook/Ultrabook-Ersatz gelten und vor allem in Unternehmen und im Außendienst zum Einsatz kommen. Die Masse der Windows-Tablets dürfte dagegen mit Windows-RT laufen und preislich auf Höhe des iPads beziehungsweise etwas darunter angesiedelt sein. Zielgruppe sind private Windows-Anwender, die nicht zu einem anderen Betriebssystem wie iOS wechseln wollen.

Das Samsung Galaxy Tab spielt nur eine Nebenrolle im
großen Tablet-Theater
Vergrößern Das Samsung Galaxy Tab spielt nur eine Nebenrolle im großen Tablet-Theater
© Samsung

Und Android? Dem auf Smartphones so erfolgreichen mobilen Betriebssystem bleibt vielleicht nur noch ein Nischendasein für spezialisierte Geräte, vielleicht aus dem Bereich Navigation, als Media-Player (fürs Auto) oder als WLAN-basiertes Zweit-Tablet für zu Hause. Vielleicht etablieren sich Android-Tablets als preiswerte „Multimedia-Surf-Tablets“. In jedem Fall dürften die Androiden preislich nicht mit Windows-Tablets und erst recht nicht mit dem iPad mithalten können. Schon jetzt zeigt sich ja, dass Android-Tablets nur bei einem konkurrenzlos günstigen Preis eine Chance haben: Der Kindle Fire von Amazon ist der beste Beweis dafür. Hochpreisige Androiden dagegen, die leistungsmäßíg mit dem iPad mithalten wollen, wie das Samsung Galaxy Tab oder das Motorola Xoom, erobern nur einen verschwinden geringen Marktanteil. Schon jetzt, bevor die Windows-Tablets als weitere Herausforderer in den Ring steigen, decken die meisten Android-Tablet eher das Einsteigersegment ab. Dieser Trend dürfte sich mit dem Erscheinen der Windows-8/RT-Tablets noch verstärken.
 
Sogar Google scheint das so zu sehen. Denn bisher sprechen alle Gerüchte, die um Googles erstes eigenes Android-Tablet kursieren, dafür, dass Google sein Tablet zu einem Kampfpreis als Kindle-Fire-Konkurrenten positionieren will.

Dienstag, 19.06.2012 | 17:14 von Hans-Christian Dirscherl
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