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eBay überlässt China den Lokalmatadoren

19.12.2006 | 10:37 Uhr |

eBay bekommt in Asien kein Bein an den Boden. Nun schließt es seine eigene Site in China und beteiligt sich stattdessen an einem Joint Venture mit dem Portal- und Mobilfunkanbieter Tom Online.

Schon auf dem japanischen Markt hatte eBay alles andere als ein glückliches Händchen gehabt. Es startete dort zwar 1999, aber leider fünf Monate nach Yahoo!, das sich für eine Auktions-Site mit dem lokalen Anbieter Softbank zusammengetan hatte. eBay gelang es nie, zu dem Duo aufzuschließen; es verließ den Markt schließlich im Jahr 2002.

China ist aufgrund seines enormen Wachstumspotenzials für eBay (wie für jedes andere Unternehmen auch) enorm interessant. Allerdings haben es US-Firmen (wie alle anderen ausländischen auch) enorm schwer, sich an die unterschiedlichen Verbraucherkulturen anzupassen und mit lokalen Anbietern zu konkurrieren, die diese besser kennen. China ist laut Deutsche Bank zwar der zweitgrößte Internet-Markt nach den USA, die chinesische eBay-Site steuert aber nicht einmal drei Prozent der weltweit bei eBay gelisteten Artikel bei.

eBay hatte sich im Jahr 2003 mit der Übernahme der Auktionsplattform EachNet für 150 Millionen Dollar in den chinesischen Markt eingekauft, nachdem es sich im Vorjahr bereits mit 30 Millionen Dollar an der Firma beteiligt hatte. Im vergangenen Jahr steckte es weitere 100 Millionen Dollar in den Ausbau seines chinesischen Geschäfts.

Allerdings spielt es nur die zweite Geige hinter der TaoBao-Plattform von Alibaba.com, einer in Privatbesitz befindlichen Internet-Company aus Hangzhou. Im ersten Halbjahr 2006 liefen 67 Prozent der Online-Auktionen in China über TaoBao, eBays EachNet kam nach Zählung der regierungsnahen Agentur China Internet Network Information Centre auf 29 Prozent. Yahoo! hatte sich im vergangenen Jahr mit rund einer Milliarde Dollar für 40 Prozent bei Alibaba.com eingekauft.

Im September war Martin Wu, Chef des chinesischen eBay-Ablegers, überraschend zurückgetreten. Ein eBay-Sprecher erklärte damals, Wu habe die für ihn geplante Amtszeit an der Firmenspitze regulär beendet.

Vermutlich heute wird eBay nun ankündigen, dass es ein Gemeinschaftsunternehmen mit Tom Online gründet und diesem sein Auktionsgeschäft überlässt. eBay wird 40 Millionen Dollar in das Joint Venture einbringen und 49 Prozent daran halten. Tom Online zahlt 20 Millionen Dollar und übernimmt die restlichen 51 Prozent.

"Eine Zusammenarbeit mit Tom sollte für eBay eine gute Sache sein, weil sie dann eine Firma in China haben, die den lokalen Markt versteht", kommentiert Henry Young, Chef der Marktforschungsfirma iResearch Consulting Group. eBay habe sich bislang schwer getan, dem Wettbewerber TaoBao Marktanteile abzunehmen, der "die besten Online-Auktionen in China" biete.

Das Gemeinschaftsunternehmen vom Tom und eBay solle im Jahr 2007 starten, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider. eBay werde seine eigene Site "für grenzüberschreitenden Handel" behalten. Die Führung der Tom-eBay-Firma werde Tom-CEO Wang Lei Wei übernehmen. EachNet-Chef Jeff Liao erhält einen noch nicht spezifizierten Management-Posten und leitet weiterhin die EachNet-Sparte, über die Chinesen Waren ins Ausland verkaufen können. (tc)

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