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Deutscher Apple-Lieferant warnt vor Pleite

14.10.2008 | 13:30 Uhr |

Dem Handyzulieferer Balda droht eine Schadenersatzklage von bis zu 40 Mio. Euro durch den Großaktionär Audley Capital.

Hintergrund für den Zwist sind die bereits Ende September dieses Jahres angekündigten Pläne Baldas, den Anteil am Touch-Screen-Produzenten TPK um zwölf Prozent von 50 auf 38 Prozent zu verringern. Wie das Handelsblatt heute, Dienstag, unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, fühlt sich der Hedge Fonds von der Konzernführung betrogen und kündigte an, sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat verklagen zu wollen, wenn Balda wegen der Reduzierung "schwerwiegender Vermögensschaden zugefügt" werden sollte und der Konzern infolgedessen Insolvenz anmelden müsste. Zuvor hatte Balda bekannt gegeben, die Anteile an ein Unternehmen von Mitgesellschafter Michael Chiang für 1,7 Mio. Euro zu verkaufen, um Liquidität zu generieren.

Der Kritik Audley Capitals steht Balda in einer ersten Reaktion gegenüber pressetext gelassen gegenüber. "Wir sprechen mit unseren Großaktionären direkt und nicht über die Medien. Das weitere Vorgehen wird nun intern geprüft", sagt Balda-Sprecher Clas Röhl auf Nachfrage von pressetext. An der TPK-Reduzierung wolle man aber weiter festhalten. "Obwohl das Segment Touch-Screens eine dynamische Wachstumsentwicklung aufweist, war es auf der Ertragsseite nicht so rentabel, wie wir es uns erhofft hatten", erklärt Röhl weiter. Das auf den ersten Blick paradoxe Verhalten Baldas, seinen Anteil in einem boomenden Bereich zu verschlanken, stößt bei den Aktionären nur auf wenig Gegenliebe. In einem offenen Brief spricht Audley-Capital-Chef Michael Treichl, der zu zehn Prozent an Balda beteiligt ist, offen aus, was gegenwärtig offenbar viele Balda-Aktionäre denken. Kurz nach der Ankündigung der TPK-Pläne stürzte der Balda-Kurs um 47 Prozent in die Tiefe. Bei Redaktionsschluss dieser Meldung (12:05 Uhr) kletterte das Papier jedoch wieder mit einem Plus von 7,47 Prozent auf 0,59 Euro.

Die Empörung der Anleger ist trotz des jüngsten Kurssprungs nachvollziehbar. Schließlich ist TPK eine der letzten verbliebenen Hoffnungen für die Aktionäre, künftig rentabler zu werden. Die Unternehmenstochter hatte eigenen Angaben nach bis vor kurzem einen 18-monatigen Entwicklungsvorsprung in einer Zukunftstechnologie. Die Taiwanesen stellen unter anderem berührungsempfindliche Touch-Screens her, die auf mehrere Fingerbewegungen gleichzeitig reagieren. Als Prestigeprojekt gilt hierbei der Auftrag für das iPhone . Nach der Begeisterung, die das Handy rund um den Globus ausgelöst hat, setzen sämtliche Handyhersteller auf die innovative Touch-Screen-Technologie. Weitere Anwendungsbereiche für Computermonitore, Fernseher und andere Bildschirmprodukte stehen derzeit noch offen. Gegenüber pressetext gibt Röhl jedoch zu bedenken, dass die aktuelle "Finanzierungssituation schwierig ist" und dies zu der Entscheidung bezüglich TPK beigetragen habe.

Obwohl Balda trotz der TPK-Reduzierung eigenen Informationen nach "weiterhin am stark wachsenden Touch-Screen-Markt teilnimmt", bleiben Zweifel an der Konzernstrategie. Balda erzielte im Zuge der iPhone-Euphorie im Sommer vergangenen Jahres einen Kursanstieg auf 11,50 Euro. Da die angekündigten Ergebnissprünge jedoch ausblieben, musste der Vorstand Ende 2007 eine Kapitalerhöhung durchführen. Obwohl sich mehrere Aktionäre, darunter auch der renommierte US-Investor Guy Wyser-Pratte hintergangen fühlten, zeichneten sie die Kapitalerhöhung im Alleingang für zehn Euro je Anteilsschein. Balda erhielt hierdurch rund 70 Mio. Euro frisches Kapital. Balda muss sich aber auch die Kritik am missratenen Verkauf des europäischen Handyschalengeschäfts gefallen lassen. Der Kursabsturz führte unter anderem dazu, dass Wyser-Pratte bei einem Kurs von drei Euro ausstieg. (pte)

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