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Zum Greifen nahe

23.09.2005 | 16:29 Uhr |

Rot-Grün-Brillen waren gestern: Moderne Technik zeigt nun 3D-Bilder sogar ohne Spezialbrillen.

Stereoskopisches 3D kennt wohl jeder: Per Rot-Grün-Brille nimmt jedes Auge leicht versetzte Bilder wahr, das Gehirn macht daraus 3D. Bei den autostereoskopischen Verfahren braucht es keine Hilfsmittel – wie durch Zauberhand scheint vor einem Monitor ein Objekt frei im Raum zu schweben. Der Trick: Da die Monitoroberfläche nicht glatt ist, sieht jedes Auge von seiner Position aus ein anderes Bild. Über einem Flüssigkristall-Panel liegt beispielsweise eine dünne Linsenschicht, die ähnlich wirkt wie die geriffelte Oberfläche von Postkarten mit animierten Bildern. Je nach Blickwinkel zeigen sie einen anderen Bildstreifen und damit insgesamt ein anderes Bild. Zunächst kann sich das 3D-Erlebnis aber nur einstellen, wenn der Betrachter von einer ganz bestimmten Stelle des Raumes aus auf den Bildschirm blickt.

Immer in Bewegung

Die Dresdener Firma Seereal Technologies feilt besonders an der Linsenschicht, so dass die Zone mit dem Raumerlebnis nach Angaben der Firma fünf oder sechs Zentimeter Durchmesser hat. Noch mehr Spielraum erhält man, wenn die Prismenmaske nicht fest auf dem Bildschirm klebt, sondern synchron zu den Bewegungen des Betrachters seitlich verschoben wird. Er darf sich dann bis zu 25 Grad auf die Seite lehnen, ohne den 3D-Eindruck zu verlieren. Die Position des Betrachters errechnet der rund 6000 Euro teure Monitor in Echtzeit mit Hilfe zweier im Rahmen eingebauter Kameras. Das Heinrich-Hertz-Institut in Berlin hat eine Technik entwickelt, die es dem Betrachter sogar erlaubt, sich nach vorne oder hinten zu bewegen. Der Monitor führt hierfür die Linsenschicht in Richtung des Zusehers um einige Millionstel Millimeter nach. Der dreidimensionale Eindruck bleibt dadurch zwischen 45 und 110 Zentimetern Entfernung vom Monitor erhalten. Das 3D-Display mit dem lautmalerischen Namen Free2C vertreibt die Firma A.C.T. Kern zum Stückpreis von 29.000 Euro. Das Gerät eignet sich eher für Industrie und Forschung, weil der Bildschirm im Porträt-Modus mit einer Auflösung von 1200 x 1600 Pixeln läuft. Durch die Aufteilung in linkes und rechtes Bild ist jeweils nur die Hälfte der Bildspalten pro Auge (also 600) sichtbar – keine gute Voraussetzung, um Breitwand-Filme im Heimkino zu genießen. Um horizontale und vertikale Auflösung gleichermaßen in einen Raumeffekt zu verwandeln, lassen Philips-Techniker bei ihren 3D-Monitoren die Linsenstreifen schräg über die LCD-Pixel laufen. „Die eierlegende Wollmilchsau gibt es derzeit bei 3D-Displays nicht“, meint Klaus Schenke vom Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik (Heinrich-Hertz-Institut) in Berlin. „Unser Schwerpunkt liegt bei 3D-Displays für PC-Arbeitsplätze.“

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