17.10.2000, 11:03

Panagiotis Kolokythas

Zukunft von Gigabell ungewiss

Die Zukunft von Gigabell ist ungewiss. Im September war der am neuen Markt notierte Internet-Provider in Konkurs gegangen. Mittlerweile interessiert sich nur noch ein finnisches Unternehmen für Gigabell - und der Staatsanwalt, der Verdacht: "Insolvenzverschleppung" und Insidergeschäfte.
Das im September in Konkurs gegangene Frankfurter Unternehmen Gigabell sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Bis Ende Oktober will das finnische Telekommunikationsunternehmen Saunalahti entscheiden, ob es bei Gigabell einsteigt und damit den Fortbestand garantiert.
Weitere Interessenten gebe es nicht, sagte Insolvenzverwalter Dirk Pfeil am Montagnachmittag in Frankfurt. Auch die Staatsanwaltschaft interessiert sich mittlerweile für die Umstände der Pleite.
Sollten die Finnen nicht bei Gigabell einsteigen, müsse Gigabell den Geschäftsbetrieb zum 1. November einstellen, so Pfeil. Die finnischen Interessenten hielten sich derzeit in Frankfurt auf. Möglicherweise sei bereits in dieser Woche mit einer Erklärung zu rechnen. Auf den potenziellen Käufer könnten allerdings Belastungen von bis zu 100 Millionen Mark zukommen, schätzt Pfeil.
Die Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten bezifferte er auf 50 Millionen Mark, davon allein zehn Millionen Mark bei der Deutschen Telekom.
Nach Darstellung Pfeils habe die Telekom darauf verzichtet, Gigabell die Leitungen zu sperren, offenbar nachdem Ministerpräsident Roland Koch auf Pfeils Bitte bei der Telekom vorstellig geworden sei. Weitere zehn Millionen Mark resultierten aus laufenden Verträgen. Hinzu kämen mögliche Schadensersatzforderungen.
Gigabell hatte im Juni angekündigt, mit einer kostenlosen, werbefinanzierten Flatrate auf den Markt zu gehen. Ansonsten ist Gigabell für seine Call-by-Call Internet-Zugänge bekannt, die das Unternehmen unter dem Markennamen Okay.Net in Deutschland betreibt.
Die Staatsanwaltschaft recherchiert derweil nach Angaben Pfeils wegen möglicher Insolvenzverschleppung und des Verdachts auf Insidergeschäfte. Heftige Kritik äußerte der Insolvenzverwalter an dem mittlerweile zurückgetretenen Vorstandschef Daniel David. Dieser habe sich offenbar vor allem darum gekümmert, seine Aktien Gewinn bringend zu verkaufen.
Daniel hat nach Pfeils Bericht in der Gigabell-Zentrale ein Chaos hinterlassen. Akten seien möglicherweise verschwunden. Völlig unklar sei daher die Zahl der Mitarbeiter und die aktuelle Geschäftslage. Pfeil schätzt die Zahl auf 200 Beschäftigte, die im Oktober noch mit ihrem Gehalt rechnen könnten.
Die Verluste sind im laufenden Geschäftsjahr weiter angestiegen. Waren es Ende Juni bereits 24,2 Millionen Mark und damit mehr als der Umsatz, sind bis zum Ende September weitere Verluste in Höhe von sechs bis acht Millionen Mark aufgelaufen. Auch im Oktober habe sich die Ertragslage nicht verbessert. (PC-WELT, 17.10.2000, dpa/ pk)
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