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Zukunft der Internet-Musik

20.04.2001 | 11:03 Uhr |

Das Internet setzt die deutsche Musikwirtschaft unter Druck. Die massenhafte legale und illegale Vervielfältigung ihrer Produkte über das Internet sowie selbstgebrannte CDs kosten sie Absatz und Ertrag. Bislang zeichnet sich nicht klar ab, wie das Urheberrecht angesichts der neuen digitalen Medien durchgesetzt werden soll. Eine EU-Richtlinie zu dem Thema muss bis Ende 2002 in deutsches Recht umgesetzt werden.

Das Internet setzt die deutsche Musikwirtschaft unter Druck. Die massenhafte legale und illegale Vervielfältigung ihrer Produkte über das Internet sowie selbstgebrannte CDs kosten sie Absatz und Ertrag.

"Musik und Internet passen ideal zusammen", meinte Thomas M. Stein, der Vorsitzende des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, in Hamburg. "Voraussetzung dafür ist allerdings der wirksame Schutz des geistigen Eigentums von Komponisten, Textdichtern, ausübenden Künstlern und den Herstellern von Tonträgern."

Bislang zeichnet sich nicht klar ab, wie das Urheberrecht angesichts der neuen digitalen Medien durchgesetzt werden soll. Eine EU-Richtlinie zu dem Thema muss bis Ende 2002 in deutsches Recht umgesetzt werden. In der Diskussion stehen Kopierschutz-Techniken für die Musikdaten selbst sowie Abgaben auf leere CDs und CD-Brenner. "In den Gesprächen mit Internet-Providern, Online-Diensten und Leermedienherstellern entscheidet sich die Zukunft unserer Branche", so Wolf D. Gramatke, der die deutsche Landesgruppe des internationalen Phono-Verbandes führt. Es gehe darum, ob Musik langfristig ertragsfähig bleibe. Nur dann lasse sich die Musikszene erhalten.

Bislang hat die Branche trotz des Internets nur wenig Geschäft eingebüßt. Im vergangenen Jahr gingen 262 Millionen Tonträger über den Ladentisch, 3,8 Prozent weniger als im Jahr davor. Der Umsatz der deutschen Phonoindustrie ging um 2,2 Prozent auf 4,78 Milliarden Mark zurück. "Angesichts der Flutwelle von Internet-Piraterie und der ausufernden privaten Vervielfältigung mit CD-Brennern ist das Umsatzergebnis des vergangenen Jahres als Erfolg zu werten", so Stein.

Die Umsatzeinbußen durch so genannte Schulhof-Piraterie - den Verkauf selbst gebrannter CDs - und über Online bezifferte er auf insgesamt 550 Millionen Mark. Dazu kämen die legalen privaten Kopien, die ebenfalls Absatzeinbußen nach sich zögen. Auf die 262 Millionen verkauften bespielten CDs kämen in Deutschland zusätzlich 210 Millionen leere Datenträger. Besonders die intensiven Musiknutzer, die mehr als neun CDs im Jahr kaufen und die aktuellen Hit-Titel hören wollen, nutzen zunehmend das Internet und versorgen sich über Kopier- und Verteilbörsen wie Napster. (PC-WELT, 20.04.2001, dpa/ ml)

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