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"Animierte Schauspieler werden reale nie ersetzen"

26.04.2009 | 14:07 Uhr |

Computergenerierte Spezialeffekte und Schauspieler sind bei den heute gängigen Hollywood-Spielfilmproduktionen kaum mehr wegzudenken. Wie das Wall Street Journal berichtet, arbeiten die entsprechenden Expertenteams der großen Film- und Produktionsstudios aber bereits mit Hochdruck an der Weiterentwicklung der bisherigen technischen Möglichkeiten.

Längerfristiges Ziel ist offenbar die Erschaffung von vollständig am Computerbildschirm kreierten Darstellern, die, sobald einmal die nötige Animationsqualität erreicht ist, die realen Schauspieler bei Bedarf auch zur Gänze ersetzen könnten. "Der animierte Schauspieler wird den lebendigen nie ersetzen. Die Fotografie hat ja auch nicht die Malerei ausgelöscht, ebenso wenig wie der Film das Theater", stellt Helmut Berger, Obmann des Verbandes Österreichischer FilmschauspielerInnen ( VÖFS ) , im pressetext-Gespräch fest. "Irgendwann wird es sicher Filme geben, die ohne wirkliche Schauspieler auskommen. Das Medium Film lebt aber nicht nur von dem, was die Menschen auf der Leinwand sehen, sondern auch von dem, was an Lebendigem dahinter steckt, und das sind die Schauspieler und ihre privaten Geschichten", erklärt Berger weiter. Dass die technischen Animationskünste der Hollywood-Studios in Zukunft einmal eine derart hohe Qualität erreichen könnten, dass die Zuseher gar keinen Unterschied zwischen echtem und computergeneriertem Darsteller mehr wahrnehmen würden, hält der VÖFS-Obmann für durchaus möglich. "Die Filmkunst ist wie jede andere Kunst in Bewegung, verändert sich und lotet alle Möglichkeiten aus. Manche Schauspieler spielen ja jetzt schon so, als wären sie digitalisiert. Das ist für einige Zuseher beruhigend, aber letztlich doch langweilig", meint Berger. Letztendlich seien gute Geschichten und deren schauspielerische Umsetzung eben doch wichtiger als technische Effekte.

"Unsere erste Präferenz ist es immer, einen echten Schauspieler zu filmen", zitiert das Wall Street Journal Scott Stokdyk, Supervisor im Bereich Visual Effects bei Sony Pictures Imageworks , der für seine Arbeit in "Spider-Man 2" 2005 mit dem Oscar ausgezeichnet worden ist. Dem Spezialeffekt-Experten zufolge sei es aber nicht immer möglich, diesem Grundsatz treu zu bleiben. Insbesondere in solchen Situationen eines Spielfilmdrehs, in denen komplizierte Stunteinlagen eine maßgebliche Rolle spielen, sei es oft unausweichlich, auf computergenerierte Darsteller zu setzen, da die betreffenden Szenen für echte Schauspieler einfach zu gefährlich wären. "Wenn man als Schauspieler nicht 'wirklich' bei minus 35 Grad von einem brennenden Hochhaus geschossen wird, um dann, gebremst durch ein Glasdach auf dem Servierwagen des Oberkellners eines Luxusrestaurants zu landen, ist das der Gesundheit sicher zuträglich", betont Berger.

Als Beispiel dafür, wie weit die Computeranimationstechnik bei Filmproduktionen heute bereits ist, wird auf die 2008 erschienene Literatur-Adaption " Der seltsame Fall des Benjamin Button " verwiesen. Der unter anderem in der Kategorie "Best Visual Effects" mit einem Oscars prämierte Streifen mit Brad Pitt und Cate Blanchett hat in puncto Animationsqualität neue Maßstäbe gesetzt. Nach Auffassung eines Großteils der Spezialeffekt-Experten ist es mit der Computerdarstellung des 85-jährigen Brad Pitt zum ersten Mal gelungen, einen bislang unerreicht geglaubten Realitätsgrad der digitalen Animation zu erlangen. Dementsprechend hoch gestaltete sich allerdings auch der technische Aufwand. Um die spezifischen Gesichtszüge des Hollywoodstars so genau wie möglich einzufangen, wurde ein speziell entwickeltes Make-Up eingesetzt, das wie ein einziger großer Sensor wirkt und jede noch so kleine Ausdrucksveränderung in der Mimik des Darstellers aufzeichnet und somit animierbar macht. (pte)

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