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Japans Handys scheitern am Weltmarkt

24.07.2009 | 11:49 Uhr |

Trotz ihrer üppigen Ausstattung, die europäischen Modellen in nichts nachsteht, gelingt es Mobiltelefonen japanischer Hersteller nach wie vor kaum, außerhalb Asiens eine breite Kundschaft für sich zu gewinnen.

Obwohl die Zahl der Handys seit Ende der 90er Jahre kontinuierlich anstieg, sind die Geräte von Elektronikriesen wie Panasonic, Sharp oder NEC kaum in Chicago oder London anzutreffen. Trotz intensiver jahrelanger Bemühungen, absatzbezogen in den Überseeregionen stärker an Marktgewicht hinzuzugewinnen, konnte kein Durchbruch erzielt werden - und das, trotz des immens hohen Innovationspotenzials.

"Dass japanische Handys nicht den Weg in europäische Vertriebskanäle schaffen, hängt vor allem damit zusammen, dass sie im Gegensatz zu ausgereiften Geräten von Nokia, LG oder Apple zu verspielt und nicht auf die Nutzerbedürfnisse hierzulande ausgerichtet sind", sagt Torsten J. Gerpott, Telekommunikationsexperte und Dekan des Department of Technology and Operations Management an der Mercator School of Management . Laut dem Fachmann liegt das Hauptproblem auch darin, dass die Benutzerführung japanischer Handys - auch wenn sie alle aktuellen technischen Raffinessen besitzen - im Gegensatz zum Vorreiter iPhone nicht intuitiv zu bedienen ist.

Einem Bericht des Wall Street Journals nach hadern japanische Großkonzerne vor allem mit der Herausforderung, aus dem teilweise großen Innovationsvorsprung Gewinne zu erzielen. Dabei haben die Asiaten für dieses Problem mit "Galápagos Syndrome" bereits einen Namen gefunden. Diese Bezeichnung rührt daher, weil es sich mit den Mobiltelefonen ähnlich wie den vom Evolutionsforscher Charles Darwin gefundenen Spezies auf den Galápagos-Inseln verhält - hochentwickelt und sehr divergent wie ihre Artgenossen auf dem Festland. Insider raten japanischen Handy-Herstellern, sich an Joint Ventures wie dem von Sony Ericsson zu orientieren. Schließlich hätte die Zusammenarbeit mit den Schweden viele Vorteile gebracht.

Trotzdem sind die Rahmenbedingungen selbst für Sony Ericsson angesichts der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs alles andere als optimal. Bereits Ende März dieses Jahres musste das japanisch-schwedische Konsortium ein Profit Warning herausgeben, der Marktanteil betrug für das erste Quartal nur 6,3 Prozent. Davor rangieren Nokia, Samsung Electronics sowie LG und Motorola. Dass japanische Hersteller bislang kaum außerhalb Asiens wirklich Fuß fassen konnten, ist aus dem Grund verwunderlich, weil sie sämtliche Innovationen der letzten Jahre mitgemacht haben - E-Mail, Digicam, Musik, Electronic Payment, Digital-TV.

"Technische Aktualität ist nicht der Punkt. Schließlich läuft das Geschäft längst nicht mehr so gut wie noch vor einigen Jahren. Zudem kann nur noch das Smartphone-Segment Wachstum generieren", so Gerpott. Schätzungen gehen davon aus, dass es in Japan derzeit 100 Mio. Smartphone-Nutzer der dritten Generation gibt - das sind doppelt so viel wie in den USA, einem viel größeren Absatzmarkt. Dabei sind viele Japaner auf ihr mobiles Gerät und nicht den PC zur Webnutzung angewiesen. Die Rezession macht der Branche schwer zu schaffen. Dem Bericht nach lieferten die Handy-Hersteller 2008 bereits 19 Prozent weniger Geräte aus. Für 2009 wird damit gerechnet, dass noch weniger Mobiltelefone gekauft werden. (pte)

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