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Zu schnell ausverkauft: Lidl wegen Digitalkamera verklagt

28.06.2005 | 15:05 Uhr |

Das Digitalkamera-Schnäppchen bei Lidl am 30. Mai hat ein juristisches Nachspiel. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat den Discounter verklagt, weil die Digitalkamera in mehreren Fällen schon kurz nach Öffnung der Filialen ausverkauft war.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband, kurz "vzbv" , hat gegen Lidl vor dem Landgericht Heilbronn eine Klage wegen verbotener Lockvogelwerbung eingereicht. Der vzbv wirft Lidl vor, bundesweit für eine Digitalkamera geworben zu haben, die dann allerdings beim Verkaufsstart in mehreren Filialen schon nach einigen Minuten vergriffen war.

Konkret geht es um die "Samsung Digimax A6", die Lidl am 30. Mai für 199 Euro im Sortiment führte. Die PC-WELT Online berichtete ebenfalls unter der Überschrift "Lidl verkauft PC-WELT-Testsieger" von dem Schnäppchen des Discounters. Die Kamera kostete zum Zeitpunkt des PC-WELT Testes rund 270 Euro. Preisvergleichsdienste, auch der der PC-WELT , geben den Preis immer noch in dieser Region an. Bei Lidl war die Kamera damit um einiges günstiger im Angebot.

Dem vzbv liegen Beschwerden seitens von Verbrauchern vor, die beim Versuch die Kamera bei Lidl zu erwerben feststellen mussten, dass sie schon wenige Minuten nach Filialöffnung nicht mehr erhältlich war. Der Verband forderte Lidl auf, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Nachdem sich die Lidl Dienstleistung GmbH weigerte, reichte der vzbv nun eine Klage ein.

Laut Gesetz müssen Sonderverkaufsartikel mindestens zwei Tage vorrätig sein. "Von einem Unternehmen wie Lidl müssen Verbraucher erwarten können, dass sie die Nachfrage richtig kalkulieren", so vzbv-Chefin Edda Müller und fügt hinzu: "Stattdessen beobachten wir, dass im Kampf der Discounter immer häufiger mit Angeboten geworben wird, die innerhalb kürzester Zeit vergriffen sind."

Der vzbv weist darauf hin, dass laut Gesetzt kaum Sanktionsmöglichkeiten bestehen. Verbraucherverbände könnten eine Unterlassung derartiger Praktiken fordern und diese Unterlassung von einem Gericht bestätigen lassen. "Was viele Firmen nicht daran hindert, die gleiche Praxis in leicht abgewandelter Form fortzusetzen", so der vzbv.

Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verbiete es einem Unternehmen, für eine Ware zu werben, die "nicht in angemessener Menge zur Befriedigung der zu erwartenden Nachfrage vorgehalten ist". Als Angemessen gelte laut Angaben des vzbv im Regelfall ein Vorrat für zwei Tage. Eine Ausnahme gäbe es, wenn der Unternehmer Gründe nachweise, die eine "geringere Bevorratung rechtfertigt".

Der Verband nimmt die Gelegenheit wahr und bemängelt das UWG. Das Gesetz sei lückenhaft und wenn Unternehmen dagegen verstoßen, blieben Folgen aus. "Die im Gesetz vorgesehene Möglichkeit, auf Irreführung beruhende Gewinne abzuschöpfen, ist vor Gericht kaum durchsetzbar", beklagt der vzbv. Verbraucher seien ebenfalls machtlos und hätten auch keinerlei Ansprüche darauf, dass beworbene Sonderangebote auch tatsächlich verfügbar sind. "Dies gilt auch dann, wenn ihnen dadurch Anfahrtskosten entstanden sind oder ein preisgünstigeres Angebot der Konkurrenz entgangen ist", fügt der vzbv hinzu.

Die PC-WELT berichtet regelmäßig online über Discounter-Schnäppchen aus dem IT-Bereich. Welche Erfahrung haben Sie mit solchen Schnäppchen gemacht. Gab es immer am Verkaufstag das Produkt in ausreichender Menge? Teilen Sie uns einfach Ihre Erfahrungen im Forum mit.

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