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Unternehmen entwickeln Software lieber selbst

26.06.2008 | 12:15 Uhr |

Rund 40 Prozent der Unternehmen setzen inzwischen auf Software, die intern selbst entwickelt und auf die spezifischen Anforderungen abgestimmt wird.

Zu diesem Ergebnis kommt eine heute, Mittwoch, vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) präsentierte Umfrage. Demnach nutzen zwar rund zwei Drittel der Unternehmen aus dem baden-württembergischen IT- und Mediensektor, dem verarbeitenden Gewerbe und einigen IT-Anwendungsbranchen herkömmliche Softwarelösungen, die standardisiert am Markt angeboten werden. Trotzdem nehmen Eigeninitiativen zu, so die Wissenschaftler. "Einer der Hauptgründe für diese prozentuale Verteilungsverschiebung ist, dass die auf dem Markt befindlichen Standard-Softwarepakete die individuellen Anforderungen der Unternehmen häufig nicht mehr passgenau erfüllen", so Bettina Müller vom ZEW gegenüber pressetext.

Da aber auch der Kostenfaktor als Ergebnis der befragten Unternehmen auf Platz drei liegt, spricht laut Müller mittlerweile einiges dafür, dass Baden-Württemberg als stellvertretendes Bundesland für den gesamten deutschen Raum gesehen werden kann. "Dies ist derzeit nur eine Vermutung, die einer bundesweiten Untersuchung unterzogen werden müsste", erläutert Müller weiter. In ihrer fünften FAZIT-Unternehmensbefragung kommen die Experten zu dem Ergebnis, dass insgesamt 65 Prozent der Unternehmen in Baden-Württemberg Software zur Unterstützung und Steuerung betrieblicher Prozesse einsetzen. Dabei sind das Banken- und Versicherungsgewerbe sowie die technischen Dienstleister mit jeweils 83 Prozent die Branchen mit den höchsten Anteilen an Unternehmenssoftware. Dahinter folgt das verarbeitende Gewerbe mit rund 78 Prozent.

Wie die Wissenschaftler im Vorfeld vermutet hatten, belegen die Zahlen den Trend, dass mit zunehmender Unternehmensgröße der Anteil derer, die Software einsetzen, zunimmt. Schließlich steigt der Steuerungs- und damit verbundene Abstimmungsbedarf zwischen den einzelnen Unternehmensteilen mit der Größe massiv an. Vor allem Systeme zur Verwaltung von Kundendaten, sogenannte CRM-Applikationen, und des Mitteleinsatzes (ERP-Systeme) sowie unternehmensübergreifende Software wie SCM-Systeme, die den Datenaustausch zwischen allen an einer Wertschöpfungskette beteiligten Unternehmen koordinieren, lassen sich vielerorts wiederfinden. Angesichts der branchenspezifischen Spezialisierungen der Unternehmen steigen somit auch die Anforderungen an die zu verwendende Software.

So nutzen 47 Prozent des Banken- und Versicherungsgewerbes, die verarbeitende Branche zu 45 sowie der IT- und Mediensektor mit 44 Prozent eigenentwickelte Softwarelösungen. "Neben der fehlenden Passgenauigkeit führten die befragten Firmen aber auch an, durch Eigeninitiative möglichst unabhängig von Anbietern sein zu wollen", ergänzt Müller gegenüber pressetext. Demnach würde die Erstellung von unternehmensspezifischen Lösungen durch Fremdfirmen kaum in Anspruch genommen. Die Zahlen bestätigen diese Einschätzung, da nur knapp sechs Prozent der Unternehmen eine speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Software von einem Fachmann programmieren lassen. Von kostenlosen Produkten wie Open-Source-Software oder von der Möglichkeit Software zu mieten, machen derzeit hingegen nur wenige Unternehmen Gebrauch. (pte)

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