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Zensurgründe: Politik, Pornos und Glücksspiel

21.05.2007 | 14:52 Uhr |

Weltweit zensieren mindestens 25 Staaten den Internetzugang ihrer Bürger. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Interessant: Es sind keineswegs immer unerwünschte politische Informationen, die Staaten zu Zensurmaßnahmen nötigen. Auch spezielle Websites für Schwule, Lesben und Glückspieler rufen die Internet-Zensoren auf den Plan.

Der OpenNet-Initiative zufolge blockieren oder zensieren mindestens 25 Staaten den Internetzugang ihrer Bürger. Die Gründe für Zensurmaßnahmen sind unterschiedlich, hauptsächlich dürften politische oder soziale Interessen eine Rolle spielen.

Die tatsächliche Zahl der Zensurstaaten dürfte sogar noch länger sein, da die OpenNet-Initiative keine Zeit fand, alle weltweit existierenden Länder unter die Lupe zu nehmen. Stattdessen wurden von vornherein nur 40 als verdächtig erscheinende Staaten auf ihr Zensur-Gebahren untersucht.

Die massivsten Zensurmaßnahmen unter politischen Gesichtspunkten gibt es demnach in China, Iran, Myanmar (Burma), Syrien, Tunesien und Vietnam.

Auch der Iran, Oman, Saudi-Arabien, der Sudan, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Jemen filtern was das Zeug hält, allerdings werden hier Webseiten nicht so sehr nach wegen unerwünschter politischer Inhalte blockiert, stattdessen kommen hier soziale und gesellschaftliche Kriterien zum Einsatz. So versuchen diese Staaten beispielsweise den Zugriff auf Websites mit pornografischen Inhalten zu unterbinden. Ebenso sind den Zensoren in vielen arabischen Staaten Glücksspiel-Seiten und Inhalte für Homosexuelle und Lesben ein Dorn im Auge.

Südkorea ist ein Sonderfall. Dieser Staat blockiert Internetinhalte eigentlich nicht. Ausgenommen sind aber Websites, die Informationen zu Nordkorea beinhalten. Hier schlägt der Zwist des geteilten Landes bis ins Internet durch.

Verblüffend: Ausgerechnet in dem von Putin restriktiv regierten Russland fanden die Spürhunde der OpenNet-Initiative keine Hinweise auf Zensurmaßnahmen. Ebenso sollen Israel und der Palästinenserstaat eine weiße Weste haben.

In der Regel stellen die Zensurstaaten ihren Bürgern keine Möglichkeiten zur Verfügung, um irrtümlich blockierte Seiten melden zu können. Mit drei Ausnahmen: In Saudi-Arabien, dem Oman und in den Vereinigten Arabischen Emiraten können Internetnutzer auf versehentlich blockierte Seiten hinweisen.

Die OpenNet-Initiative ist ein gemeinsames Projekt der Universitäten von Cambridge, Oxford, der Harvard University und der Universität von Toronto.

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