Zeitung: Kritik an üppigem Bonus für Freenet-Vorstand

Mittwoch den 27.06.2007 um 12:21 Uhr

von Hans-Christian Dirscherl

Eckhard Spoerr, Chef des Mobilfunk- und Internetkonzerns Freenet, lässt sich seine Arbeit offensichtlich gut bezahlen. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland genießt Spoerr ein üppiges Aktien-Bonusprogramm und ein Top-Gehalt, während die Freenet-Mitarbeiter seit Jahren auf eine allgemeine Gehaltserhöhung warten.

Eckhard Spoerr bläst derzeit der Wind ins Gesicht. Nachdem erst kürzlich mehrere Großaktionäre wie Hermes und Drillisch die Zerschlagung von Freenet gefordert haben, um Kursgewinne realisieren zu können, berichtet die Financial Times Deutschland jetzt unter dem bissigen Titel ' Leicht%20Geld/218319.html:leicht verdientes Geld ' über das Aktien-Bonusprogramm für Spoerr. Wenn der Bericht zutrifft, bekommt Spoerr ziemlich viel Geld für ziemlich wenig Leistung.

Demnach darf sich die Führungsspitze von Freenet (laut Spoerr sind das der Vorstand sowie 40 bis 50 Führungskräfte; der FTD zufolge erhält Spoerr aber den Löwenanteil) in den nächsten Jahren auf über 50 Millionen Euro aus dem Bonusprogramm des Unternehmens freuen. Und das funktioniert so: Steigt der Aktienkurs der Freenetpapiere innerhalb eines Jahres mindestens einmal um fünf Prozent über den so genannten Basiswert von 17,16 Euro, so erhalten einige ausgewählte Begünstigte, darunter Spoerr, die Differenz zwischen dem Basiswert und dem aktuellen Aktienkurs ausbezahlt (wobei letzterer bei 27 Euro gedeckelt ist). Das Bonusprogramm beschloss 2006 der damalige Aufsichtsrat. Kurios: Diese Bedingungen wurde bereits beim Start des Bonus-Programms erfüllt, Freenet musste laut FTD deshalb bereits 2006 neun Millionen Euro zurückstellen.

Ein Bonus wird normalerweise für besondere Leistungen gezahlt. Da stellt sich bei Spoerr und Konsorten natürlich die Frage, welche das sein sollen. Die FTD weist daraufhin, dass sich der Aktienkurs von Freenet schlechter als der TecDax entwickelt habe. Der Geschäftsverlauf sei zudem schlechter als bei der Konkurrenz wie beispielsweise United Internet (Web.de, GMX).

Spoerr bezieht außerdem ein nicht gerade niedrig dotiertes Gehalt, 2006 durfte er sich über 3,84 Millionen Euro freuen. Damit ist Spoerr laut FTD der Spitzenverdiener unter den TecDax-Vorständen. Das wird angesichts der Gehaltsentwicklung der übrigen Freenet-Mitarbeiter besonders pikant: Die sollen nämlich seit 2002 keine "allgemeine Gehaltserhöhung" mehr erhalten haben.

Mittwoch den 27.06.2007 um 12:21 Uhr

von Hans-Christian Dirscherl

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