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Warum das iPhone (noch) nicht Business-tauglich ist

14.12.2007 | 14:55 Uhr |

Nicht nur in den USA werden IT-Abteilungen inzwischen von Managern bedrängt, die ihr privat angeschaffte iPhone auch beruflich nutzen wollen - aus der Sicht von Forrester ein No-Go.

"If you can't control it, leave it" – obwohl diesen Spruch die " Consumerization "-Erfinder von Gartner geprägt haben, stoßen mitunter auch die Kollegen von Forrester Research in dieses Horn – unter anderem, wenn es um die Nutzung von Apples iPhone in Unternehmen geht. Das Analystenhaus will zwar nicht ausschließen, dass sich das elegant designte Handy irgendwann zum erstklassigen Business-Tool entwickelt. Aktuell weiß Forrester jedoch mindestens zehn gute Gründe, warum IT-Abteilungen den Support für das iPhone ablehnen sollten. Hier eine kleine Argumentationshilfe für den CIO:

Der wichtigste Grund, die iPhone-Nutzung im Unternehmen kategorisch zu verbieten, ist die fehlende Unterstützung von Sicherheitsrichtlinien: Derzeit gibt es keine Möglichkeit für Unternehmen, geschäftskritische Informationen auf dem iPhone vor Unbefugten zu sichern, weder durch Daten- noch Laufwerkverschlüsselung. Ebenso wenig kann die IT-Abteilung Passwort-Policies durchsetzen, da die Entscheidung, ein solches zu verwenden (und zu verändern), einzig im Ermessen des Anwenders liegt.

Der unmittelbare automatische Eingang von neuen E-Mails, neudeutsch als Push-Mail bezeichnet, ist mit der wichtigste Grund für die Anschaffung eines Firmen-Handys, so Forrester. Anwender büßen vergleichsweise viel an Produktivität ein, wenn sie selbst ständig im Postfach nach neuen Mitteilungen Ausschau halten müssen. So ergeht es auch iPhone-Nutzern: Das Gerät ist zwar in der Lage, via Imap und SMTP mit Microsoft Exchange und Lotus Notes zu synchronisieren. Dazu muss allerdings die IT-Infrastruktur extra angepasst oder gar ein separates Gateway-Produkt angeschafft werden – selbst dann werden nur alle 15 Minuten neue Mails ausgeliefert. Als weiteres Manko ist das Apple-Produkt laut Forrester nicht in der Lage, drahtlos Daten mit dem PC zu synchronisieren. Die Abgleichung von Kalender- oder Kontaktdaten ist über das proprietäre USB-Kabel möglich. Ändern sich Termin und Ort eines Meetings in letzter Minute sind daher die Chancen groß, dass der iPhone-Nutzer nichts davon mitbekommt.

Da Apple eine Software Development Kit (SDK) für externe Entwickler und Unternehmen erst für Februar angekündigt hat , werden aktuell keine Anwendungen von Drittanbietern unterstützt. Firmen, deren Vertriebsmitarbeiter eigenentwickelte Anwendungen nutzen, können diese nicht auf das iPhone portieren, bis dieser Punkt vollständig geklärt ist.

Aus Sicht von Forrester bestehen die wichtigsten Features von Mobile-Device-Management-Lösungen darin, Endgeräte remote zu sperren und darauf gespeicherte Daten zu löschen. Beide Funktionen sind für das iPhone nicht verfügbar. Überhaupt bietet Apple aktuell für das Gerät kein einziges Verwaltungs-Tool an, das den vielen Applikationen für Blackberrys, Windows-Mobile- oder Symbian-Smartphones nahe kommt. Forrester geht davon aus, dass Drittanbieter nicht vor Mitte bis Ende 2008 mit einer Device-Management-Lösung für das iPhone auf den Markt kommen.

Das Touchscreen-Oberfläche und das virtuelle Keyboard des iPhone sind sicher cool. Für Power-User, die sehr häufig E-Mails und Kurzmitteillungen auf dem Gerät schreiben, ist die Lösung aber suboptimal. Das Problem ist dabei das fehlende taktile Feedback. Dieses erschwert ein schnelles Schreiben, da der Nutzer ständig seine Eingabe kontrollieren muss. Damit sind Business-Anwender unter dem Strich mit einer richtigen Qwertz-Tastatur, wie sie bei Blackberrys, Windows-Mobile- und Symbian-Geräten zu finden ist, besser bedient.

Die wenigen von T-Mobile entsperrten oder aus Frankreich importierten Geräte einmal ausgeklammert, ist das iPhone offiziell an einen spezifischen Carrier gebunden. Das bedeutet, dass Business-Kunden ihr Handy im Ausland nicht mit einer lokalen Simkarte nutzen und teure Roaming-Gebühren vermeiden können. Auch im Inland ist die Wahl eines Betreibers eingeschränkt.

Für hierzulande 400 Euro plus monatlichen Sprach- und Datentarif ist das iPhone eines der teuersten Smartphones auf dem Markt. Es kostet knapp das Doppelte eines Blackberry oder Windows-Mobile-Geräts. Entsprechend kostspielig gestaltet sich ein unternehmensweiter Rollout, zumal weder Apple noch die kooperierenden Carrier spezielle Business-Angebote oder -Tarife anbieten.

Kein Mobiltelefon ist perfekt, wenn es frisch auf den Markt kommt. Viele Produkte reifen erst durch die Erfahrungen und das Feedback von vielen tausend Nutzern. Apple tut sich dabei doppelt schwer, da das iPhone sein erster Versuch im Mobilfunkmarkt ist. Entsprechend lang ist die Liste der momentanen Schwächen, die Forrester zusammengestellt hat. Dazu zählen unter anderem die Schwierigkeiten, das iPhone erstmalig zu aktivieren, die geringe Akkulaufzeit sowie die wenig beeindruckende Sprachqualität. Hinzu kommt, dass das iPhone aktuell nur den 2,5-G-Standard EDGE unterstützt, was sich auf die Geschwindigkeit der Datenübertragung auswirkt. Es besteht allerdings die (begründete) Hoffnung, dass mit den nächsten Generationen des iPhone ein Teil dieser Mängel beseitigt werden. So hat der CEO von Apples Exklusivpartner in den USA, AT&T, ausgeplaudert , dass für 2008 eine UMTS-Version geplant sei.

Ähnlich wie beim iPod kann auch beim iPhone der Akku nicht ohne weiteres gewechselt werden. Pech für Anwender, die mit einem Reserve-Akku sicherstellen wollen, dass ihnen der Saft nie ausgeht. Forrester geht jedoch davon aus, dass Drittanbieter schon in naher Zukunft eine Lösung entwickeln werden. Tatsächlich hat Mophie mit dem Zusatz-Akku "Juice Pack" bereits ein solches Produkt für knapp 100 Dollar im Angebot.

Laut Forrester-Informationen gibt es weltweit bislang nur ein einziges große Unternehmen, das iPhones derzeit voll unterstützt. Es handelt sich dabei – welch Überraschung – um Apple selbst. Der Hersteller hat jedoch bis dato noch keine Case Studies oder anderes Infomaterial publiziert. Unternehmen stützen ihre Kaufentscheidungen häufig auf die Erfahrungen von anderen Anwendern oder Empfehlungen von Analysten. Da es solche Informationen bislang noch nicht für das iPhone gibt, sieht Forrester nur geringe Chancen dafür, dass das Jesusphone schon bald in vielen Firmen systematisch eingesetzt wird.

Dennoch prognostiziert Forrester, dass das iPhone seinen Weg in viele Business-Umgebungen finden wird – nicht zuletzt, weil viele Topmanager ein solches Gerät anschaffen und Support dafür erwarten. Die IT-Abteilung sollte darauf vorbereitet sein und eine Strategie entwickeln, wie mit solchen Anfragen umgegangen wird, empfehlen die Analysten. (mb)

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