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YouNow: Experten warnen vor neuem Internet-Trend

06.02.2015 | 10:17 Uhr |

Der Live-Streaming-Dienst YouNow erfreut sich bei Jugendlichen großer Beliebtheit. Die Nutzung birgt aber auch Gefahren.

Über YouNow verbreiten immer mehr Jugendliche Live-Streams von sich im Web, die jeder andere Internet-Nutzer verfolgen kann, ohne sich dafür für den Dienst anmelden zu müssen. Die Zahl der deutschen Nutzer ist in den vergangenen zwei Monaten um 250 Prozent gestiegen.

Die Nutzer können sich aber auch bei YouNow anmelden und ihr Konto mit ihrem Twitter- oder Facebook-Profil verknüpfen, um sich per Live-Chat mit anderen Nutzern zu unterhalten. Auch diese Live-Chats sind nicht privat, sondern für alle anderen Internet-Nutzer verfügbar. Das alles birgt viele Risiken insbesondere bei den jugendlichen YouNow-Nutzern. Aus diesem Grund warnen derzeit verstärkt Experten vor der Nutzung von YouNow.

"Nicht nur der Jugendschutz ist durch das leichtsinnige Verhalten der Minderjährigen gefährdet, auch bei der Übertragung der Live-Chats werden zum Teil gravierende Verstöße gegen das Persönlichkeits- und Urheberrecht begangen", so der Kölner Medienanwalt Christian Solmecke in einem Beitrag in seinem Blog.

In den Nutzungsregeln von YouNow sei zwar festgelegt, dass die Nutzer über 13 Jahre alt sein müssen, das Zeigen von Nacktheit und der Konsum von Drogen verboten sind und auch keine persönlichen Informationen verbreitet werden dürfen. An diese Regeln halten sich aber die Nutzer kaum. "Die Jugendlichen lassen sich schnell dazu hinreißen zu erzählen wo sie wohnen, wo sie zur Schule gehen und auch die Handynummer wird häufig mitgeteilt", so Solmecke. Die Verbote nützten außerdem ohnehin nicht bei Live-Streams, weil es meistens dann schon zu spät ist, wenn der Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen auffalle. Da bringe es auch nicht, dass YouNow rund um die Uhr sein Portal überwache.

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Bei der Nutzung von YouNow dürfen auch gegen die Urheberrechte oder andere Rechte nicht verstoßen werden. Wer beispielsweise einen Live-Stream überträgt, in dem im Hintergrund urheberrechtlich geschützte Musik läuft, der verstößt gegen das Urheberrecht und riskiert eine Abmahnung.

Gegen das Recht am eigenen Bild verstößt, wer etwa einen Live-Stream aus dem Klassenzimmer auf YouNow überträgt, in dem auch Mitschüler zu sehen sind.

Solmecke warnt: "Hier könnten Unterlassungsansprüche auf die Jugendlichen zukommen. Außerdem droht ihnen unter Umständen auch eine Strafe nach §201 StGB. Die Norm schützt die Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes und stellt die Aufnahme und Veröffentlichung heimlich aufgenommener Gespräche unter Strafe."

"Strafbar machen sich auch Nutzer, die den unkontrollierten Umgang mit den Jugendlichen ausnutzen", so Solmecke. Wer beispielsweise Kinder zu sexuellen Handlungen auffordere, kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Keine sexuelle Handlung sei aber beispielsweise die Aufforderung  an ein Kind, einen Handstand zu machen. "Eltern sollten in jedem Falle ihre Kinder im Umgang mit Chatpartnern aufklären, damit es gar nicht erst zu solch einer Situation kommen kann", empfiehlt Solmecke.

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