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Yahoo soll Namen rausrücken

08.02.2001 | 15:43 Uhr |

Der Rettungdienst Rural/Metro drängt auf die Herausgabe von vier Personennamen, die im Yahoo.com-Nachrichten-Board anonym kritische Kommentare über das Unternehmen gepostet haben.

Der Rettungdienst Rural/Metro drängt auf die Herausgabe von vier Personennamen, die im Yahoo.com-Nachrichten-Board anonym kritische Kommentare über das Unternehmen gepostet haben.

Dies hat zwei Interessensgruppen auf den Plan gerufen, die sich für das Recht auf freie Meinungsäußerung einsetzen. Sie wollen erreichen, dass Yahoo.com die Anonymität der betreffenden Personen wahrt und die geforderten Angaben nicht herausgibt.

Die Argumentation der US-Meinungsschützer: Die Nachrichten oder Postings seien gesetzlich durch das Recht auf anonyme Rede geschützt. Bei diesen beiden Verfechtern für das Recht auf freie und anonyme Meinungsäußerung handelt es sich um die "Electronic Frontier Foundation" (EFF) und das "The Liberty Project".

Im Message Board von Yahoo.com unter RURL (Rural/Metro Corporation) hatten einige Personen sich negativ über den Feuer- und Ambulanzdienst geäußert. Dies erregte das Missfallen von Rural/Metro. Das Unternehmen wollte daraufhin von Yahoo die Namen erfahren, die hinter Pseudonymen wie "hotmedicaz" und "smilelikeyoulikeit" stecken.

Francis Torrence, Rechtsanwalt von Rural/Metro, sieht in diesen Meinungsäußerungen "einen Fall, in dem es um Leute geht, die unzutreffende Kommentare abgeben und vertrauliche Informationen durchsickern" lassen.

Für gewöhnlich gibt Yahoo die Namen seiner Nutzer heraus, wenn es zu einer Vorladung vor Gericht kommt, wie Lauren Gelman, der Direktor für Öffentlichkeitsarbeit von EFF mitteilte. Yahoo selbst konnte trotz mehrfacher Versuche unserer Kollegen von PC World zu keinem Kommentar bewegt werden. Allerdings war von Yahoo zu hören, dass man die Namen erst freigeben würde, wenn ein Gerichtsverfahren eingeleitet werde und Yahoo durch das Gericht dazu aufgefordert würde.

Die EFF könne sich eine Freigabe der Namen nur vorstellen, wenn Rural/Metro den Nachweis führt, dass die Postings sowohl falsch wie auch verleumderisch sind. Außerdem soll Rural/Metro aufzeigen, dass ausreichend Anstrengungen unternommen wurden, die Informationen von anderer Stelle zu bekommen, und dass die Kenntnis der Identität der Schreiber essentiell für die eigene juristische Vorbereitung des Falles sei.

"Iamcashman2525" und "southernemptyall" hatten ungefähr 23 Nachrichten zwischen Oktober und Dezember 2000 gepostet. Darin sollen sie zum Einen Kommentare zu administrativen Änderungen und finanziellen Unregelmäßigkeiten geschrieben und personelle Insiderinformationen preisgegeben haben. Rural/Metro ging gegen diese Äußerungen vor, weil sie "falsch und irreführend" seien. Die Texte ließen den Schluss zu, dass sie von Mitarbeitern oder ehemaligen Mitarbeitern der Firma stammen.

PC-WELT hat sich bei Rechtsexperten nach der Rechtslage solcher Fälle in Deutschland erkundigt: Solange die Inhalte nicht strafrechtlich relavant seien, dürften hierzulande die Namen nicht bekannt gegeben werden. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und Anonymität schützt die Schreiber in Deutschland. Werden allerdings in einem Forum diffamierende oder verleumderische Meinungen gepostet, kann die betroffene Person oder das angegriffene Unternehmen das Entfernen dieser Äußerungen verlangen. Kommt der Forumsbetreiber dem nach, können keine weitergehenden Forderungen gegen ihn gerichtet werden.

Anders sieht die Sachlage aus, wenn eine gerichtliche Anordnung ergeht oder der Staatsanwalt ermittelt. In so einem Fall müssen die Namen preisgegeben werden. (PC-WELT, 08.02.2001, hc)

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