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Yahoo durchsuchte Millionen Mailkonten heimlich für US-Geheimdienste

05.10.2016 | 09:37 Uhr |

Yahoo hat für einen US-Geheimdienst heimlich die Mails von Millionen Yahoo-Nutzern durchsucht. Yahoo-Chefin Marissa Mayer hinterging dabei sogar ihren eigenen Sicherheits-Chef.

Das war’s dann wohl mit Yahoo: Dem seit Jahren wirtschaftlich angeschlagene Internet-Konzern klauten Hacker nicht nur mal eben die Nutzerdaten von 500 Millionen Menschen. Nein, jetzt berichtet Reuters, dass Yahoo auch noch für einen US-Geheimdienst heimlich die Mails seiner Nutzer scannte.

Demnach habe Yahoo im Jahr 2015 heimlich ein maßgeschneidertes Programm entwickelt, das alle eingehenden Mails der Yahoo-Mail-Nutzer nach bestimmten Informationen durchsuchte. Die Stichwörter, nach denen die Software suchen sollte, lieferten US-Geheimdienste. Das will Reuters aus gut informierten Kreisen erfahren haben. 

Yahoo habe demnach mehrere Hundert Millionen Mailkonten gescannt. Die Anfrage dazu kam entweder von der NSA oder vom FBI, wie Reuters von ehemaligen Mitarbeitern erfuhr.

Das sei der erste bekannt gewordene Fall, in dem ein US-Internet-Unternehmen auf das Gesuch eines Geheimdienstes hin alle eingehenden Mails durchsucht habe. Nach welchen Informationen Yahoo konkret suchte, ist unbekannt. Dabei könnte es sich sowohl im Mailinhalte wie auch um Mailanhänge gehandelt haben. Ebenso ist unbekannt, ob die Geheimdienste auch andere Mail-Provider um das Durchsuchen von Nutzermails baten.

Twitter, Microsoft und Google sowie Apple haben mittlerweile erklärt, dass sie keine Nutzer-Nachrichten im Stile von Yahoo durchsucht hätten. Google betonte sogar, dass es nicht einmal eine derartige Anfrage erhalten habe, mit einer speziell entwickelten Software die Nachrichten seiner Nutzer zu durchsuchen.

Yahoos Sicherheits-Chef wusste nichts - und kündigte

Auch Facebook erklärte, dass es keine derartige Anfrage erhalten habe. Facebooks Sicherheitschef Alex Stamos kam übrigens von Yahoo.

Stamos hatte im Juni 2015 bei Yahoo gekündigt, als er von dem Mail-Überwachungsprogramm erfahren habe. Offensichtlich war die Maildurchsuchung ohne sein Wissen durchgeführt worden. Die Yahoo-Chefin Marissa Mayer hatte die Mail-Durchsuchung anscheinend direkt angeordnet, ohne ihren Sicherheitschef davon zu informieren.

Mayer ließ das Mail-Team von Yahoo die Überwachungssoftware programmieren und installieren. Im Mai 2015 entdeckte das Sicherheits-Team von Yahoo dann das Schnüffelprogramm – nur wenige Wochen nach dessen Installation. Die Sicherheitsexperten glaubten zunächst an einen externen Hackerangriff, bis sie erfuhren, dass es sich um ein von Yahoo selbst geschriebenes Programm handelt.

Yahoo gab zu dem Reuters-Bericht keine konkrete Stellungnahme ab, sondern flüchtete sich in nichtssagende Floskeln: Yahoo würde sich an die Gesetze halten.

Yahoo, das seit vielen Jahren erfolglos nach einem neuen Geschäftsmodell sucht, will sein Internetgeschäft eigentlich an Verizon verkaufen. Doch bereits nach dem Bekanntwerden des Verlustes von 500 Millionen Nutzerdaten runzelten die Verantwortlichen von Verizon die Stirn. Die Übernahme von Yahoo dürfte nach dieser neuen Enthüllung kaum attraktiver geworden sein.

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