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Xbox 360: Microsoft gestattet Publishern nur USK-geprüfte Spiele

07.11.2005 | 12:57 Uhr |

Das Spiel "Condemned - Criminal Origins" von Sega wird für die Xbox 360 nicht in Deutschland erscheinen. Der Grund: Die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) hat dem Spiel eine Alterseinstufung verweigert. Microsoft verbietet es aber Publishern, Xbox-360-Spiele auf den deutschen Markt zu bringen, die über keine USK-Einstufung verfügen.

Die USK kann PC- und Konsolen-Spielen eine Einstufung verweigern. In welchen Fällen das möglich ist, ist im Paragraph 12 der "Grundsätze der USK" ( PDF-Download ) festgehalten. Für den Publisher bedeutet dies, dass er das Spiel zwar auf den Markt bringen kann, der betreffende Titel aber dann nicht von einer Indizierung geschützt wäre, wie das bei Spielen mit einer USK-Einstufung der Fall wäre.

Im Falle von " Condemned - Criminal Origins " für die Xbox 360 bleibt Sega allerdings keine Wahl, denn Microsoft gestattet für den deutschen Markt nur die Veröffentlichung von Xbox-360-Spielen, die eine USK-Einstufung besitzen.

In anderen, ähnlichen Fällen können Publisher ihr Spiel dennoch auf den Markt bringen. Laut Angaben der USK wurden im Jahre 2004 insgesamt 19 Spielen eine Einstufung verweigert. Solche Spiele mit "keine Kennzeichnung gemäß § 14 JuSchG", nicht zu verwechseln mit "keine Jugendfreigabe gemäß §14 JuSchG" (also ab 18-Titeln), laufen aber Gefahr, schnell wieder vom Markt zu verschwinden, weil sie indiziert werden könnten.

"Spiele, die von der USK kein 'Ab 18' respektive 'keine Jugendfreigabe' erhalten haben, sind eben nicht automatisch einfach 'Ab 18' - sie sind gar nichts, haben keinerlei Altersfreigabe, und die Einstufung durch den Hersteller ist nix weiter als der Wunsch des Herstellers - aber eben keine gültige Altersfreigabe", äußert sich Boris Schneider-Johne, beruflich Microsoft-Sprecher für Xbox 360, in seinem privaten Blog zu diesem Thema.

In Deutschland, so Schneider-Johne, gäbe es eine Sondersituation. Gemeint ist damit, dass die Rating-Instanz überhaupt in der Lage ist, die Vergabe eines Ratings für ein Spiel zu verweigern. "Microsoft kann die offizielle Verweigerung einer Altersfreigabe nicht ignorieren", betont Schneider-Johne.

Hintergrund ist der in der Xbox 360 integrierte Jugendschutz, der Eltern dabei helfen soll mitzubestimmen, welche Spiele die Kinder spielen dürfen. Die Informationen über das USK-Rating befinden sich nicht nur auf der Verpackung, sondern sind auch im Spiel abgespeichert, so dass der Jugendschutz-Mechanismus in der Xbox 360 sie auswerten kann. Microsoft hat für das Jugendschutz-System der Xbox 360 weltweit festgelegt, dass in einem Land nur Spiele mit gültiger nationaler Altersfreigabe veröffentlicht werden dürfen.

Verwirrend wird das Ganze dadurch, dass die Xbox 360 zwar über eine Jugendschutz-Funktion verfügt, diese aber nicht standardmäßig eingeschaltet ist, sondern von den künftigen Konsolen-Besitzern erst aktiviert werden muss. Im Auslieferungszustand wird jegliches USK-Rating eines Spiels ignoriert. Erst wenn die Eltern die Funktion einschalten, werden auch die Rating-Informationen vom Spiel durch die Konsole ausgelesen.

Erwachsene, die dennoch ein Spiel auf der Xbox 360 spielen möchten, obwohl es keine USK-Kennzeichnung erhalten hat, bleibt künftig nur der Weg des Imports aus einem anderen europäischen Landes. Auf der deutschen Xbox-360-Konsole muss dann aber auch das deutsche Jugendschutzsystem deaktiviert werden, damit der importierte Titel laufen kann.

Um zurückzukommen auf den Fall "Condemned - Criminal Origins": Sega bestätigte gegenüber der PC-WELT, dass das Spiel hierzulande nicht für die Xbox 360 erscheinen wird. Die PC-Version des Spiels ist von der Entscheidung nicht betroffen. Diese Fassung befindet sich noch in der Fertigstellung und wird inhaltlich im Vergleich zur Xbox-360-Variante noch erweitert. Laut Auskunft von Sega wurde daher die PC-Version noch nicht bei der USK eingereicht. Selbst wenn die USK auch bei dieser Version eine Kennzeichnung verweigern sollte, will Sega das Spiel in Deutschland auf den Markt bringen.

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