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XCP & Co.: Entschädigung für Anwender

09.01.2006 | 14:39 Uhr |

Im Rechtsstreit zwischen der Electronic Frontier Foundation und Sony BMG wegen umstrittener Kopierschutztechniken auf Musik-CDs haben die Beteiligten eine Einigung erzielen können. Betroffene Anwender können damit beispielsweise von Sony CDs ohne Kopierschutz, Gratis-Downloads und sogar Bargeld einfordern.

Die Kopierschutztechnik XCP, die Sony BMG bei einigen Musik-CDs integriert hatte, sorgte im vergangenen Jahr für reichlich Wirbel. Die Software nutzte Rootkit-Technologie und war somit nur schwer auffindbar und zu entfernen. Sicherheitslücken, vor denen einige Experten warnten und die Einstufung von XCP als Spyware machten das Desaster für Sony schließlich perfekt. Mittlerweile werden keine mittels XCP geschützten CDs mehr hergestellt.

Es dauerte nicht lange, bis erste Klagen gegen das Unternehmen eingereicht wurden. Jetzt haben die Electronic Frontier Foundation (EFF), die in den USA ebenfalls eine Sammelklage eingereicht hatte, und Sony ihren Rechtsstreit beendet und sich auf eine Vorgehensweise für die betroffenen Kunden geeinigt.

Bei der Klage ging es nicht nur um XCP, sondern auch um die beiden von Sony eingesetzten Techniken Mediamax in den Versionen 3.0 und 5.0. Je nachdem, welcher Kopierschutz auf den CDs der Anwender zum Einsatz kam, haben die Kunden laut der Einigung unterschiedliche Ansprüche in Richtung Sony:

XCP : Anwender, die eine Musik-CD gekauft haben, die mittels XCP geschützt war, haben (nach Einsendung der Original-CD) Anspruch auf:

  • eine CD ohne DRM,

  • den Download ungeschützter MP3-Dateien des Albums

  • sowie wahlweise 7,50 US-Dollar in bar plus den Download eines Gratis-Albums aus dieser Liste oder kein Bargeld sowie drei Alben aus der vorgenannten Liste

Mediamax 3.0 : Anwender, die Musik-CDs gekauft haben, die mit dieser Software geschützt waren, haben Anspruch auf den Download der Musiktitel im ungeschützten MP3-Format.

Mediamax 5.0 : Anwender, bei deren CD(s) diese Software zum Einsatz kam, haben ebenfalls Anspruch auf den Download der jeweiligen Titel im MP3-Format (ungeschützt) sowie darüber hinaus auf den Download eines kompletten Albums aus der oben genannten Liste.

Weitere Punkte der Einigung sehen laut EFF vor, dass Sony einige Teile der EULAs entfernen muss sowie künftig vor der Integration eines DRM-Systems diesen hinsichtlich seiner Sicherheit testen muss. Darüber hinaus sollen Anwender künftig bereits vor dem Kauf einer geschützten CD über diesen Umstand in adäquater Weise informiert werden.

Betroffene Anwender können diese Ansprüche gegen Sony allerdings noch nicht geltend machen, da diese erst mit der öffentlichen Bekanntgabe seitens des Konzerns eingefordert werden können. Laut Gerichtsbeschluss muss Sony dies bis spätestens 15. Januar beispielsweise durch Zeitungsanzeigen oder Banner im Internet durchführen.

:Sony startet Austauschprogramm für XCP-CDs (PC-WELT Onlie, 21.11.2005)

:Microsofts Antispyware bekämpft Sonys XCP-Rootkit (PC-WELT Online, 21.11.2005)

:Sony gibt auf: Musik-CDs mit XCP werden umgetauscht (PC-WELT Online, 16.11.2005)

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