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Wohin steuert das Web?

05.10.2006 | 13:44 Uhr |

Anwendungen und Angebote des Web 2.0 wie Wikis und Blogs verzeichnen ein rasches Wachstum. Grund genug für die Gesellschaft für Informatik, sich auf ihrer Jahrestagung mit der Zukunft des Web 2.0 zu beschäftigen. Die soziale Einbindung des Menschen sei essentiell für den Erfolg von Anwendungen, die von mehreren Personen genutzt werden.

Seit Jahren entwickeln Wissenschaftler das semantische Web. Gleichwohl sind heute weniger als ein Prozent der weltweit im Internet verfügbaren Inhalte im Sinne des semantischen Webs aufbereitet. Denn die unterschiedlichen Inhalte entwickeln sich hochdynamisch und präsentieren sich auf unterschiedlichste Weise.

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Wahlster, Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, erwartet, dass Peer-to-Peer-Mechanismen die Wissensebene im Web 3.0 wesentlich bestimmen werden. "Wenn es gelingt, die Ontologien des semantischen Webs in die Massenbewegung des Web 2.0 einzubringen, dann kann in der nächsten Dekade ein Web 3.0 entstehen, das die Vorteile des semantischen Web und des Web 2.0 verknüpft und deren Nachteile überwindet." Branchen-Ontologien könnten künftig die Prozesse für einen bestimmten Industriezweig definieren, sodass eine Interoperabilität von Webdiensten erreicht wird.

Künftige Business Webs können es Unternehmen erlauben, zuverlässige Anwendungen mit der Flexibilität von Diensten zu kombinieren. Diese können dabei von Drittanbietern im Internet bereitgestellt werden. Das Konzept der Service-orientierten Architekturen (SOA) soll zu mehr Flexibilität auf der IT-Ebene führen. Spezialisierte Vermittler wie etwa Bezahlungs- oder Authentifizierungs-Services werden ihre Dienste durch unterschiedliche Geschäftskanäle bereitstellen. Damit werden auch die Informationssysteme komplexer.

So schätzt das Marktforschungsunternehmen Gartner, dass 40 Prozent der IT-Kosten für die Integration verschiedener Applikationen verwendet werden. Semantische Technologien können hier Abhilfe schaffen. Prof. Dr. Lutz Heuser, Leiter von SAP Research: "Erste SAP-Research-Prototypen erlauben die Abstraktion von technischen Web-Services auf Geschäftsprozesse." Hier modelliert etwa der Geschäftsexperte einen komplexen Geschäftsprozess, der vom Werkzeug automatisch auf eine Komposition von technischen Web-Services abgebildet wird. Dieses Vorgehen spart Entwicklungsaufwand und erhöht den Grad der Wiederverwendung.

Das Positionspapier der Gesellschaft für Informatik e.V. sowie die Statements der Referenten steht zum Download bereit. (Detlef Scholz)

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