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Wissenschaftler: Heim-Netzwerke bedrohen CE-Industrie

17.02.2005 | 13:59 Uhr |

Der Markt für Unterhaltungsgeräte boomt. Flachbildschirme ersetzen Röhren-TVs und Festplattenrekorder schicken VHS-Geräte in Rente. Doch die Industrie steht vor einem gewaltigen Problem, so Professor Eli Noam von der Columbia Business School: Vernetzte Haushalte könnten Stand-Alone-Produkte bereits in naher Zukunft überflüssig machen.

Das vernetzte Haus - eine immer wieder propagierte Zukunftsvision wird dank immer günstigeren Preisen und weiter entwickelten Techniken mittlerweile auch für Endanwender interessant. Zwar werden noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vergehen, bis diese Technik im Großteil der Haushalte auch Realität ist, doch könnte dieser nächste, logische Schritt einen ganzen Industriezweig in Bedrängnis bringen: Den der Hersteller von Unterhaltungselektronik.

Diese Meinung vertritt Professor Eli Noam von der Columbia Business School. Seiner Ansicht nach werden im Zuge der Vernetzung und immer leistungsfähigerer Rechner klassische Stand-Alone-Produkte der Unterhaltungselektronik-Industrie schlichtweg überflüssig. Bereits jetzt können PCs TV-Programm, DVDs oder Musik per Netzwerk in jedem beliebigen Raum des Haushalts abspielen. Und die Prozessoren werden immer leistungsfähiger. Viele Produkte wie Blu-Ray-Player oder gar PCs werden dann "verschwinden", so Noam.

Einen ersten Vorgeschmack liefern aktuelle Geräte, wie kombinierte DVD-/CD-/VHS-Player mit integrierter Festplatte oder Handys, die neben einer digitalen Kamera auch MP3-Player-Funktionen mitbringen.

Zwar habe der Markt für Netzwerkprodukte rund um das eigene Haus mit Servern, Flachbildschirmen und neuen optischen Playern (Blu-ray, HD-DVD) innerhalb der nächsten sieben Jahre ein Volumen von mehreren hundert Milliarden Dollar, so Noam, doch danach könnten die Umsätze rapide zurückgehen. Viele der netzwerkfähigen Produkte würden dann durch eine einzelne Einheit oder einen Hub ersetzt. Die Interaktion der Anwender könnte sich dann darauf beschränken, dass Anwender nur eine kleine Zahl an Thin Clients (zum Beispiel Touchscreen-Displays) nutzen, um Inhalte abzurufen, die auf einem zentralen Server abgelegt sind.

"Die gute Nachricht ist, dass dies eine Initialzündung der Nachfrage für die Hersteller bedeutet. Aber es bedeutet auch, dass weniger Hardware verkauft werden wird", so Noam. Darüber hinaus könnten diese Clients oder Hubs von nahezu jedem Hersteller in Massen produziert werden und nicht mehr ausschließlich von CE-Giganten wie Sony oder Matsushita (Panasonic).

Da derartige Heimnetzwerke so anwenderfreundlich wie möglich sein müssen, um erfolgreich zu sein, eröffnen sich für alteingesessene Unternehmen auch neue Möglichkeiten, so Noam. Ein Beispiel dafür wäre der Service-Bereich, der solche Netzwerke für Anwender pflegen könnte. In der Folge könnte eine Flut neuer Firmen entstehen. Diese "CSPs" (Consumer Electronics Service Provider) könnten sich dann um alle Belange dieser Heim-Netzwerke kümmern.

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