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Wirtschaftskrimi: erste Blackberry-Kunden springen ab

04.04.2006 | 16:22 Uhr |

Es ist nie gut für ihren Hersteller, wenn eine Technologie, die sich so in die Herzen ihrer Fans gebrannt hat wie der Blackberry, massiven Gegenwind von allen Seiten bekommt. Zu schnell kochen Gerüchte über die Unsicherheit der Lösung hoch, zu viele neidische Konkurrenten spucken dem Konkurrenten ins Fahrwasser. Heute entschied sich ein "Unternehmen", das es sich im Ernstfall ganz sicher nicht leisten kann, auf eine unsichere Lösung gesetzt zu haben, vorerst gegen die Business-Lösung aus Kanada. Der Stab der Deutschen Bundeswehr kündigte heute gegenüber der Wirtschaftswoche an, seine militärische und politische Führungsebene nicht wie geplant mit RIMs Blackberrys ausrüsten zu wollen. Das Verteidigungsministerium wollte unter anderem alle Generäle mit einem Blackberry ausstatten. Über die Entscheidung dürfte man bei Research In Motion mehr als verärgert sein. Eine Studie des BSI ergab Anfang Oktober, dass der Blackberry-Dienst, mit dem EMails in Echtzeit aufs Endgerät des Nutzers übertragen werden, potenzielle Sicherheitslücken aufweise.




RIM konterte, dass die Datenübertragung einerseits über industriell anerkannten Standards verschlüsselt werde und dass man die Mails der Nutzer nicht auf den Push-Servern zwischenspeichere. Selbst das BSI hat mittlerweile zugegeben, dass einige Ergebnisse "fehlerhaft interpretiert" worden wären. Das Fraunhofer Institut soll nun im Auftrag von RIM ein Gegengutachten erstellen, das die Gemüter wieder etwas abkühlen soll.

An der zweiten Front, dem Patenstreit zwischen RIM und dem nordamerikanischen Pagertechnologie-Hersteller NTP, herrscht unbehagliche Ruhe vor dem Sturm. Ein amerikanisches Gericht hat mittlerweile sieben von acht Patenten für ungültig bzw. nicht anwendbar erklärt und damit RIMs Verhandlungsbasis gestärkt. Dennoch würde das Durchboxen einer einzigen Patentsverletzung RIM zur Zahlung von Lizenz- und Gerichtsgebühren in Höhe von knapp einer Milliarde US-Dollar verpflichten - auch für die erfolgsverwöhnten Kanadier alles andere als ein Pappenstiel. Unterdessen streut der Marktforscher Gartner Salz in die Wunde und empfiehlt amerikanischen Geschäftsleuten, von der Verfolgung einer Blackberry-Strategie vorerst Abstand zu nehmen, da nicht auszuschließen sei, dass der Dienst nach einer Niederlage vor Gericht einstweilig abgeschaltet wird.
Wagt man einen Blick hinter die Kulissen, erscheint vor allem die Sicherheitsdiskussion völlig unangebracht. Wie das IT-Magazin heise.security analysiert , ist der Datenverkehr zwischen einem Blackberry-Endgerät und Server sicher. Auch das Vorhandensein von Backdoors oder der ungewissenhafte Umgang mit Firmengeheimnissen wie den Administratorzugängen zu Mailservern darf man RIM nicht a priori unterstellen. Das Sicherheitsproblem sei eher ein politisches als ein technisches, titelt die Publikation zu diesem Thema. Deutsche Blackberry-Fans können getrost weiterhin den Service nutzen: selbst im Falle einer Niederlage beeinflusst das Urteil nur die Verfügbarkeit des Blackberry-Services in Nordamerika. In Europa existiert kein Patentrecht, nach dem man RIM im Sinne der NTP-Anklage verurteilen könnte.

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