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Abhör-Maßnahmen der Telekom bestätigt

29.06.2008 | 14:52 Uhr |

Nach Recherchen des Magazins „WirtschaftsWoche“ hat die Deutsche Telekom in der Vergangenheit nicht nur Hacker-Codes aufgezeichnet, sondern auch Telefongespräche abgehört. Dies gehe aus Dokumenten hervor, die dem Magazin vorliegen, hieß es in Vorab-Informationen aus der am kommenden Montag erscheinenden Ausgabe.

Ein nach der Abhöraktion verfasster Vermerk eines beteiligten Beamten belege, dass bei der Operation „Bunny“ vor zwölf Jahren nicht nur Steuersignale, sondern auch „Nutzdaten“, womit Sprache gemeint ist, erfasst wurden. „Wir können auf Grundlage der Unterlagen, die uns zur Verfügung stehen, ein Abhören nicht nachvollziehen“, sagte Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Wir haben die "WirtschaftsWoche" gebeten, die Unterlagen uns oder der Staatsanwaltschaft auszuhändigen. Wir haben kein Interesse, irgendetwas zu verbergen.“

Aus den Aufzeichnungen des Beamten gehe eindeutig hervor, dass bei der Aktion des Telekommunikationskonzerns, in die auch externe Dienstleister verwickelt waren, gegen das grundrechtlich verankerte Fernmeldegeheimnis verstoßen wurde und dies den Akteuren zu diesem Zeitpunkt auch bewusst gewesen sei, schreibt das Magazin. Dennoch hätten die Experten des Telekom-Zentrums für Netzsicherheit die Beschaffung eigener Abhörtechniken empfohlen. Abhöraufträge an Externe zu vergeben, sei zu riskant, so das Ergebnis einer internen Manöverkritik.

Am 23. Mai 1997 habe der stellvertretende Sicherheitsbevollmächtigte der Telekom , Jochen Schwarzer, sogar die Bundesregierung einschalten wollen. Er habe sich mit seinen Bedenken an die Wand gedrängt gefühlt. So empfahl er in einem streng vertraulichen Schreiben an Personalvorstand Heinz Klinkhammer, den Bundesminister für Post und Telekommunikation zu informieren. Dazu sei es aber nie gekommen.

Im Interview mit der „WirtschaftsWoche“ räumte Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur ein, dass die Deutsche Telekom erst seit Herbst 2001 Abhörmaßnahmen so protokolliere, wie es das Gesetz verlangt. Einen Missbrauch hätte sein Vorgänger aus diesen Gründen also gar nicht feststellen können. Man habe die Telekom lediglich aufgefordert, schnellstmöglich die technischen, organisatorischen und personellen Konsequenzen aus dem Skandal mitzuteilen.

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