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Zahlsystem SEPA ist Verlustrechnung für Banken

31.01.2009 | 13:45 Uhr |

Die Einführung des europaweit einheitlichen Zahlungsraums SEPA (Single European Payments Area) vor einem Jahr hat sich für die Banken als glattes Verlustgeschäft entpuppt.

Rund 90 Prozent der europäischen Institute klagen über das negative Geschäft mit dem neuen Überweisungsstandard, wie das Management- und Technologieberatungsunternehmen BearingPoint aufzeigt. Zwar verlief der SEPA-Startschuss abseits bürokratischer Hürden für den Großteil der Banken weitgehend problemlos. Die Anzahl entsprechender Überweisungen liegt jedoch weiterhin unter einer Mio. pro Tag und bewegt sich damit im Promillebereich. Zudem zeigen sich die Häuser zusätzlichen SEPA-Diensten (AOS - Additional Optional Services) und dem weiteren Ausbau des Zahlungsraums gegenüber skeptisch. "Kurzfristig wäre eine Investition in die SEPA-Services vonseiten der meisten Banken gar nicht erst erfolgt, wäre das Thema nicht politisch getrieben", meint Christian Bruck, Leiter Solution Zahlungsverkehr und Associate Managing Director bei BearingPoint, im Gespräch mit pressetext. In der Erwartung, dass sich SEPA als Raum für den Massenzahlungsverkehr etabliert, hätten viele Banken neue Zahlungssysteme entwickelt, um die alten in weiterer Folge einstellen zu können. "Die Einführung der neuen Systeme hat sich bei den Kunden jedoch nicht bewährt, da sich für sie gegenüber den bewährten Methoden kein Mehrwert ergibt. Dabei war die Entwicklung für die Institute mit hohem Aufwand und Kosten verbunden", betont der Experte. Rund 20 Prozent der Häuser befürchten daher nicht nur kurzfristig, sondern auch dauerhaft negative Auswirkungen der SEPA-Dienste auf ihre Bilanz.

Angesichts der geringen Nutzung der SEPA-Überweisung durch die Kunden hat der Großteil der Banken bisher auf die Einführung zusätzlicher Dienste verzichtet. Nur 20 Prozent hätten AOS wie etwa SEPA-Eilüberweisungen bislang berücksichtigt. "Das Marktverhalten der Kunden wird sich mit Einführung der SEPA-Lastschrift voraussichtlich ändern. Dabei handelt es sich um ein gänzlich neues Produkt, das einen Mehrwert bietet", erklärt Bruck gegenüber pressetext. Allerdings sei auch die Einführung der europaweit einheitlichen Lastschrift problematisch, da Banken dafür in Form eines neuen Mandats eine zusätzliche Bevollmächtigung bei den Kunden einholen müssen. Zudem schätzen rund 70 Prozent der Institute den Aufwand und anfallende Investitionskosten um zwei- bis dreimal so hoch ein als für die SEPA-Überweisung. Dennoch soll es ab November 2009 möglich sein, Lastschriftverfahren aus den 31 SEPA-Teilnehmerstaaten einzuleiten. (pte)

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