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Wipro plant große Akquisition in Deutschland

18.06.2007 | 10:33 Uhr |

Der Offshore-Anbieter möchte einen bedeutenden IT-Dienstleister mit Konzernbezug übernehmen. Ins Beuteschema passen Softlab, Lufthansa Systems und BASF IT-Services.

Der indische IT-Outsourcing-Anbieter Wipro Technologies bereitet eine große Übernahme in Deutschland vor. Kees Ten Nijenhuis, Senior Vice-President des Unternehmens in Europa, sagte dem Brancheninformationsdienst "Computerwire": "Deutschland ist ein zu großer Markt, um ihn zu ignorieren. Man kann dort nicht ohne weiteres aktiv werden, man muss es auf deutsche Art und Weise machen: Einerseits benötigt man eine starke Präsenz, andererseits sollte sie nicht zu stark sein", erläuterte er.

Namen nannte er nicht, wohl aber Rahmenbedingungen: "90 Prozent der gelisteten Unternehmen in Deutschland nutzen SAP-Applikationen, 60 Prozent des Outsourcing-Marktes rankt sich um Infrastrukturthemen", sagte Ten Nijenhuis. "Für den Erfolg in Deutschland benötigt man Rechenzentren, SAP-Kompetenz und einen kaptiven Kunden, der sich nach den eigenen Spezifikationen reorganisieren lässt." Im Lauf des Gesprächs mit Computerwire gab er weitere Hinweise: "Jeder große deutsche Konzern hat seine eigene IT-Organisation: Gucken sie sich zum Beispiel BMW, Lufthansa und Siemens an."

In den letzten Jahren hat es unter den konzerngebundenen IT-Dienstleistern einen Ausverkauf gegeben. Zuletzt hat Karstadt-Quelle die IT-Tochter Itellium in ein Joint-Venture mit EDS eingebracht. Zuvor hatte die Telekom-Tocher T-Systems die VW-Tocher Gedas gekauft. Außerdem wechselten beispielsweise die IT-Ausgründungen von Dräger, Vorwerk, RAG, Rheinmetall, Thyssenkrupp unter das Dach eines IT-Dienstleisters.

Das hat die Zahl der möglichen Akquisitionsziele für Wipro zwar deutlich reduziert, doch angesichts der Aussagen von Ten Nijenhuis liegen einige Namen auf der Hand: Die BMW-Tochter Softlab etwa verfügt über ausgeprägtes SAP-Know-how und eine finanzkräftige Mutter im Hintergrund. Sie betreibt zwar kein Rechenzentrum für BMW betreibt aber viele Projekte für den Autokonzern. Außerdem bietet Softlab eigenen Hosting- und Betriebsdienste am Drittmarkt an. Den Großteil der geplante Einnahmen in Höhe von 280 Millionen Euro 2007 erzielt Softlab außerhalb der BMW-Gruppe. Die Anbieter kündigte erst kürzlich den Einstieg in die Strategieberatung ein.

Ein anderer möglicher Übernahmekandidat wäre Lufthansa Systems (LHS) . Das Unternehmen zählt zu den größten IT-Serviceanbietern Deutschlands. Die Marktforscher von Lünendonk führen Lufthansa Systems beispielsweise als viertgrößten Anbieter im Markt für IT-Beratungs- und Systemintegrationsgeschäft . Im vergangenen Jahr nahm die Lufthansa-Tochter rund 650 Millionen Euro ein, etwa 60 Prozent davon mit der Muttergesellschaft. LHS betreibt mehrere Rechenzentren und kann auch mit SAP-Know-how glänzen.

Softlab und Lufthansa Systems sind zwei Anbieter, die sich ihre Meriten auch außerhalb des Konzerns verdient haben. Mit diesem Anspruch ist einst auch BASF IT Services gestartet, konnte das Ziel aber nie richtig umsetzen. Die Einnahmen beliefen sich im vergangenen Jahr auf gut 360 Millionen Euro. Erstmals seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2001 waren sie damit nicht mehr rückläufig. 17 Prozent des Umsatzes hat der IT-Dienstleister eigenen Angaben zufolge im externen Geschäft erzielt. BIS betreibt Rechenzentren und beschäftigt SAP-Berater. Niederlassungen gibt es in Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden den Niederlanden und Großbritannien. (jha)

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