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Windows-Software ohne Windows starten

18.06.2008 | 10:46 Uhr |

Das Wine-Projekt lässt die Sektkorken knallen: Nach 15 Jahren Entwicklungszeit steht jetzt das erste finale Release - Wine 1.0 - zum Download bereit. Mit dem kostenlosen Wine kann man unter Linux diverse Windows-Programme starten und nutzen ohne dass dafür eine Windows-Lizenz erforderlich ist.

Wer von Windows zu Linux wechselt, vermisst unter Umständen bald einige der von Windows her gewohnten Anwendungsprogramme wie Adobe Photoshop und Spiele wie Counterstrike. Die Linux-Szene hat dieses Problem schon vor langer Zeit erkannt und bietet mit Wine eine Windows-kompatible Laufzeitumgebung an, mit der sich diverse (aber nicht alle) Windows-Anwendungen sowie etliche Spiele auch unter Linux nutzen lassen. Wine gaukelt den Windows-Anwendungen sozusagen ein vorhandenes Windows-Betriebssystem vor (dafür stellt es die Funktionen der Windows-API bereit), Windows selbst benötigt man aber nicht, es fallen also keine Lizenzkosten an. Wine selbst ist Open-Source und kostenlos.

Der Weg zu Wine 1.0 war allerdings ungewöhnlich lang, 15 Jahre gingen ins Land, bis die Macher endlich das erste finale Release in die Freiheit entließen. Allerdings konnte man schon seit langem die Betaversionen relativ zuverlässig nutzen. 1993 begann die Entwicklung von Wine, damals musste noch die Windows 3.1-Umgebung nachgeahmt werden. Wer dieses Ur-Wine auf seinem Linux-Rechner installierte, konnte danach das von Windows her bekannte Solitaire spielen… Die Wine-Macher mussten danach ihr Projekt immer wieder an neue Windowsversionen anpassen, besonders Windows 2000 und XP forderten alles von den Programmierern. Außerdem veränderten die Softwarehersteller natürlich ihre eigenen Produkte, also musste Wine nicht nur ständig an Veränderungen bei Windows sondern auch an die Veränderungen aller unter Wine laufenden Windows-Programme angepasst werden.

Wine dürfte in erster Linie auf Linux-Systemen zum Einsatz kommen, es lässt sich aber auch unter FreeBSD und Solaris einsetzen. Auf Wine basieren zudem auch kommerzielle Lösungen wie das Crossoveroffice.

Wenn Sie eine Windows-Anwendung unter Linux nutzen wollen, so ist also Wine in jedem Fall einen Versuch wert, eine Garantie für das einwandfreie Funktionieren des Windows-Programmes gibt Ihnen aber niemand. Über alle Features von Wine informiert die Herstellerseite. Bekannt sind aber Probleme in Zusammenhang mit dem Microsoft .net Framework.

Wine 1.0 steht in diversen kompilierten Paketen für viele Linux-Distributionen zum Download bereit. Außerdem gibt es den Quellcode zum Selberkompilieren .

Der Unterschied zwischen Wine 1.0 und dem letzten vorangegangenen Release Candidate besteht in einer Reihe von Bugfixes. Unter anderem sollte jetzt Counter-Strike schneller laufen und Winrar besser funktionieren. Wer sich an Call of Duty versuchen will, kann jetzt auch auf einen reibungslosen Spielablauf hoffen. Auch die Sprachsteuerung Dragon Naturally Speaking 9 sollte mit Wine 1.0 besser zurecht kommen. Eine Liste aller von Wine 1.0 unterstützten Programme und Spiele finden Sie hier .

Einen interessanten Geschwindigkeitsvergleich zwischen Wine und Windows können Sie ebenfalls online nachlesen.

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