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Windows XP: Aktivierungsroutine ein Witz

16.07.2001 | 16:19 Uhr |

Die Windows Product Activation (WPA) sorgt schon lange vor dem Erscheinen von Windows XP für hitzige Debatten. Microsoft zwingt den Käufer des neuen Betriebssystems dazu, eine lästige Aktivierung über sich ergehen zu lassen. Je genauer man sich aber die Aktivierungsroutinen ansieht, desto mehr entblößt sich das Geheimnis um den WPA. Die Aktivierungsroutine hat einen Schwachpunkt: Eine unschuldige Datei.

Die Windows Product Activation (WPA) sorgt schon lange vor dem Erscheinen von Windows XP für hitzige Debatten. Microsoft zwingt den Käufer des neuen Betriebssystems dazu, eine lästige Aktivierung über sich ergehen zu lassen. Je genauer man sich aber die Aktivierungsroutinen ansieht, desto mehr entblößt sich das Geheimnis um den WPA. Die Aktivierungsroutine hat einen Schwachpunkt: Die Datei wpa.dbl.

Wie unser Schwestermagazin "Tecchannel" enthüllt, versteckt sich in dieser Datei das ganze Mysterium rund um die Produktaktivierung. Hier speichert Windows XP zum Zeitpunkt der Aktivierung alle Informationen rund um das System.

In der Datei sind unter anderem folgende Infos versteckt, die Windows XP zur Ermittlung des Aktivierungsstatus heranzieht:

* Volume-Seriennummer des System-Volumes.

* MAC-Adresse der Netzwerkkarte.

* Identifikations-String des CD-ROM-Laufwerks.

* Identifikations-String des Displays.

* CPU-Seriennummer.

* Identifikations-String der System-Festplatte.

* RAM-Größe.

* 1 = Dockingstation, 0 = ohne Dockingstation.

Ändern sich mehr als drei dieser Werte ist eine Neuaktivierung nötig.

Sobald sich mehr als drei Hardwarekomponenten ändern, wird die Datei von Windows XP gelöscht. Danach muss Windows XP telefonisch oder über das Internet innerhalb von 30 Tagen neu aktiviert werden.

Bei den Versuchen unseres Schwestermagazins Tecchannel stellten die Kollegen folgende Varianten fest:

Fall 1:

In einem Rechner, auf dem Windows XP schon installiert und aktiviert ist, wird die Grafikkarte und die Netzwerkkarte ausgetauscht. Noch ist keine Neuaktivierung notwendig. Dann wird der Prozessor mit aktivierter Seriennummer-Übertragung ausgetauscht. Dieser Austausch stellt für Windows XP zwei Hardware-Änderungen dar. Also sind in dem Rechner (laut Windows XP) insgesamt vier Hardware-Komponenten ausgetauscht worden und damit eine Neuaktivierung notwendig.

Wird die vor den Hardware-Änderungen gesicherte Datei wpa.dbl ins System32-Verzeichnis von Windows XP zurückkopieren und im BIOS die Übertragung der Seriennummer der CPU ausgeschaltet, startet Windows XP wieder im aktivierten Modus.

Fall 2:

Windows XP wird installiert und aktiviert. Der Aktivierungscode wird von Microsoft anhand der Produkt-ID ermittelt. Bei gleicher Hardware ist die Produkt-ID bis auf die letzten drei Ziffern gleich. Die letzten Ziffern werden nach dem Zufallsprinzip ermittelt.

Nach der Aktivierung wird die Datei "wpa.dbl" an einen sicheren Ort gespeichert. Anschließend wird Windows XP neu installiert. Die Produkt-ID ist diesmal auf Grund der letzten drei Ziffern eine andere. Der alte Aktivierungscode funktioniert deshalb nicht und Windows XP beharrt energisch auf eine erneute Aktivierung.

Mit der zuvor gesicherten Datei "wpa.dbl" vermeldet Windows XP nach einem Neustart trotz der anderen Produkt-ID die Aktivierung.

Fall 3:

Tecchannel wollte herausfinden, wie sich Windows XP auf einem anderen Rechner nutzen lässt, ohne es neu aktivieren zu müssen:

Die Festplatte wurde zunächst wie im ursprünglichen Rechner benannt, beispielsweise "volumeid c: 3333-3333". Die nötige Software gibt es bei sysinternals.com

Einer eventuell vorhandenen Netzwerkkarte wurde über den Treiberdialog eine Adresse per Hand zugewiesen. Damit wurde dem Rechner eine andere Netzwerkadresse suggeriert, die des Rechners mit der vorhergehenden Installation.

Die Übertragung der CPU-Seriennummer wurde wie beim ursprünglichen Rechner ausgeschaltet. Wichtig war ebenfalls die gleiche Größe des RAMs wie im Master-Rechner.

Schließlich war es nur noch nötig, die Datei "wpa.dbl" ins System32-Verzeichnis zu kopieren.

Fall 4:

Tecchannel fand allerdings einen noch einfacheren Weg um Windows XP ein Schnippchen zu schlagen.

Im Geräte-Manager wurde der Rechner als Notebook deklariert. Dies hat zur Folge, dass Windows XP bei der Ermittlung des Aktivierungscodes nun nicht mehr Grafikkarte und Controller heranzieht. Es werden nur noch die Festplatte, die CPU und das CD-ROM-Laufwerk unterschieden. Es dürfen sich auch in dieser Arbeitsumgebung wieder drei Komponenten ändern.

Zum Test haben die Kollegen vom Tecchannel Windows XP auf einem weiteren Rechner installiert und auch hier die Einstellung vorgenommen, dass es sich um ein Notebook handelt. Vom ersten Rechner wurde dann die Datei "wpa.dbl" ins Verzeichnis System32 kopiert.

Die Überraschung: Nach dem Neustart meldet sich Aktivierungsroutine. Nach einem Klick zeigte sich aber: Windows XP ist bereits aktiviert und bedankt sich artig.

Ausführliche Informationen zur Aktivierung finden Sie bei unserem Schwestermagazin tecChannel.

PC-WELT meint:

Okay - so einfach ist das also. Nicht nur, dass uns Windows XP klar machen will, dass 1+1+1 = 4 ist (siehe Fall 1), es stellt sich bei der Ermittlung, ob es bereits aktiviert wurde, oder nicht, nicht besonders clever an.

Was möchte Microsoft eigentlich mit einer solchen Prozedur erreichen? Gelegenheits-PC-Nutzer mögen dadurch vielleicht abgeschreckt werden, Profis hingegen können den WPA ohne Probleme umgehen und werden somit zum Cracker.

Vermutlich wird es auch nicht lange dauern, bis sich im Internet ein reger Tausch von "wpa.dbl"-Dateien entwickelt. Nach dem Motto "Tausche wpa.dbl (Geforce 2 MX + 128 MB) gegen wpa.dbl (Geforce 3 + 256 MB)".

Die Debatte um die Zwangsregistrierung nimmt dadurch eine neue Wendung. Weshalb noch laut meckern, wenn Microsoft in diesem Punkt derart schludrig war? Oder ist die einfach zu umgehende Aktivierungsroutine Absicht?

Und sollte Microsoft doch mürrisch werden. Na und - dann behaupten wir halt alle, dass wir ein 10-Kilogramm Notebook in Übergröße daheim stehen haben :)

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