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Windows ME schnüffelt

15.09.2000 | 10:09 Uhr |

Windows ME entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Betriebssystem mit deutlichen Ambitionen zum Datensammeln. Der Verpackung liegt bereits ein kleiner Zettel bei, dass im Zusammenhang mit dem Internetspiele-Feature bestimmte Informationen an Microsoft übertragen werden. Aber Windows ME sammelt noch mehr...

Windows ME entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Betriebssystem mit deutlichen Ambitionen zum Datensammeln. Der Verpackung liegt bereits ein kleiner Zettel bei, dass im Zusammenhang mit dem Internetspiele-Feature bestimmte Informationen an Microsoft übertragen werden. Aber Windows ME sammelt noch mehr.

Wer frohlockend das Update-Paket Windows ME auspackt, dem kommt neben Mini-Handbuch, Garantieerklärung und einer Übersicht der Microsoft-Filialen auch ein kleiner unscheinbarer weißer Zettel mit folgendem Text entgegen:

"Hinweis für Benutzer von Internetspielen.

Wenn Sie sich entscheiden, aus Microsoft Windows Millennium Edition heraus auf das Internetspielefeature zuzugreifen, werden bestimmte Systeminformationen und eine Computer-ID, die für die Administration des Spielens erforderlich sind, zur Internetspiele-Website upgeloadet. Indem Sie auf das Internetspielefeature zugreifen, ermächtigen Sie Microsoft und/oder deren bezeichneten Vertreter zum Zugriff und zur Verwendung dieser Informationen zu diesem Zweck."

Windows ME möchte sich also bei Internet-Spielen stets gegenüber dem Microsoft-Server identifizieren. Dass Online-Spiele auch ohne das Übertragen von Benutzerinformationen funktionieren, muss an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Ein temporärer Name würde in jedem Fall genügen.

Wen der Hinweis zu Internetspielen bereits stört, der sollte das komplette Paket wieder zusammenschnüren und zu seinem Händler bringen. Denn Windows ME schnüffelt in noch größerem Umfang.

Beim ersten Kontakt mit dem Internet richtet der Internet Explorer ein Cookie (MC1) auf dem Rechner ein, das bei späteren Besuchen von Microsoft-Sites den Computer identifiziert. Da das Cookie eine eindeutige Informationsnummer enthält, ist Ihr Computer stets identifizierbar. Somit kann Microsoft beispielsweise auswerten, welche Seiten Sie auf den Microsoft-Seiten ansurfen.

Weiteres Kopfzerbrechen dürfte sicherheitsbewussten Anwendern der Media-Player bereiten. Wer auf einem älteren Windows-System die aktuelle Version des Media-Players installiert, wird darauf aufmerksam gemacht, dass das System Daten an Microsoft übertragen möchte. Bei dieser Gelegenheit lässt sich die Funktion auch deaktivieren. Windows ME dagegen bringt den neuen Media-Player von Haus aus mit, und so sah sich Microsoft offenbar nicht veranlasst, den Hinweis auf die Übertragung von Daten dem Anwender ausführlich darzulegen. Es gibt auch keine einfache Möglichkeit, die Datenausspähung des Media-Players zu deaktivieren.

Alles in allem verwundert es zwar nicht, dass Microsoft versucht mit dem neuen Betriebssystem Daten über seine Nutzer zu erlangen. Was jedoch auffällt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Windows ME Daten sammelt und an Microsoft überträgt. Mit Ausnahme des Hinweises für Internetspieler wird der Anwender über die Sammelleidenschaft von Windows ME im Unklaren gelassen.

Wenn Sie auf Ihre Privatsphäre Wert legen, sollten Sie sich nicht an dem neuen Windows ME vergreifen. (PC-WELT, 15.09.2000, sw)

PC-WELT Service: Windows ME - Alles Neu? Oder alles beim Alten?

Vorsicht beim Kauf von Windows ME (PC-WELT Online, 14.09.2000)

Windows ME anfällig für Angriffe (PC-WELT Online, 14.09.2000)

Windows ME: Erster Bug (PC-WELT Online, 04.09.2000)

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