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Windows 10: Tim Sweeney attackiert erneut Microsoft wegen Steam

26.07.2016 | 15:47 Uhr |

Der Epic-Games-Gründer Tim Sweeney greift massiv Microsoft und Windows 10 an. Ein geschlossenes System bedrohe Steam & Co.

Tim Sweeney, Entwicklerlegende und Gründer von Epic Games (Unreal Engine, Gears of War), schießt in einem Interview mit Edge ( hier Auszüge ) erneut gegen Microsoft. Konkret gegen die von Microsoft mit Windows 10 eingeführte Laufzeitumgebung Universal Windows Plattform (UWP). In diesem Jahr hat Sweeney bereits zwei Mal UWP zum Anlass für Angriffe auf Microsoft genutzt. Allen Dementi und Gesprächen mit Microsoft zum Trotz wiederholt Sweeney nun seine Vorwürfe und legt noch etwas nach.

Mit UWP können Entwickler, vereinfacht erklärt, ihre Anwendungen für alle Plattformen ausliefern, auf denen Windows 10 läuft, ohne dafür erst aufwendig den Programmcode ändern zu müssen. Eine Mail-App ist damit beispielsweise nicht nur auf Windows-10-PCs einsetzbar, sondern auch auf der Xbox One, Windows-Smartphones und Windows-IoT-Geräten. Microsoft selbst setzt bei den mit Windows 10 ausgelieferten Apps auf UWP und ermuntert auch die Entwickler dem Beispiel zu folgen.

Sweeney sieht in UWP allerdings eine Bedrohung für die bisher offene Windows-Plattform. Seine Kritik leitet Sweeney allerdings mit einem schrägen Vergleich ein. "Das Problem fing an, als Microsoft begann einige PCs auszuliefern (...) auf denen keine Win32-Anwendungen lauffähig seien. Man konnte nur Apps nutzen, die aus ihrem Store stammten", so Sweeney. Gemeint ist damit das mittlerweile eingestellte Windows RT. Das bei diesem Betriebssystem keine Win32-Anwendungen lauffähig waren lag daran, dass auf den Geräten mit ARM eine völlig andere Prozessor-Architektur zum Einsatz kam. Sweeney wirft Microsoft vor, bei Windows 10 noch weitere "Fähigkeiten" entfernt zu haben.

Nach Ansicht von Sweeney bestehe die Gefahr, dass wenn immer mehr Entwickler zu UWP wechseln, Microsoft die Unterstützung von Win32-Anwendungen in Windows 10 beeinträchtigen oder gar ganz einstellen könnte. Microsoft könnte auch Funktionen in Windows 10 integrieren, die den Entwicklern ausschließlich bei der Nutzung von UWP zur Verfügung stehen könnten. Und viel schlimmer noch: Microsoft könnte Entwickler zwingen, diese UWP-Apps künftig ausschließlich nur noch über den Windows Store anzubieten. Es drohe dann, so Sweeney, dass das bisher offene Windows 10 Gaming-Ökosystem zu einer geschlossenen Plattform werde.

"Es wird nicht so sein, dass sie einen Schalter umlegen und damit die gesamte Steam-Bibliothek unbrauchbar wird. Was sie versuchen sind eher heimtückische Manöver", so Sweeney in dem Intereview mit Edge. Und weiter: "Sie machen es immer mehr und mehr unbequem, alte Anwendungen zu nutzen, während sie simultan versuchen, die einzige Quelle für neue zu werden."

Konkret könnte dies nach den Befürchtungen von Sweeney etwa bei Steam bedeuten, dass über Zwangsupdates für Windows 10 die Nutzung von Steam immer weiter beeinträchtigt werde. Irgendwann hätten dann die Nutzer die Nase von Steam voll und würden den Windows Store als Alternative wählen. Sweeney ist sich sicher, dass dies das Ziel von Microsoft ist. Sicher ist er sich aber nicht, ob Microsoft dieses Ziel erreichen werde.

Unklar ist, warum Sweeney immer wieder die gleichen Verschwörungstheorien verbreitet.

Microsoft hat immer wieder in der Vergangenheit geäußert, dass Windows für Entwickler eine offene Plattform bleiben werde und UWP nur eine zusätzliche Möglichkeit zur Entwicklung von Anwendungen darstelle. Immerhin hängt davon auch die Kompatibilität zu früheren Windows-Version ab. Außerdem: Selbst Microsoft dürfte es  nicht wagen, sich mit Steam anzulegen. Schließlich spielt Steam für die Rolle von Windows-PCs als Gaming-Plattform eine immense Bedeutung. Damit verbunden sind neben Spieleentwicklern auch alle anderem am profitablen Kreislauf beteiligten Akteuere, wie etwa CPU- und Grafikkartenhersteller.

Immerhin zeigt Sweeney auch etwas Humor. In einem US-Bericht über sein Edge-Interview wird Sweeney als "paranoider Spinner" bezeichnet. Zur Illustration wird ein Foto von Sweeney verwendet, in das auf seinen Kopf ein Aluhut montiert wurde. In einem Tweet erklärt Sweeney: "Ich liebe das Foto:"

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