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Windows 10: EFF kritisiert Upgrade-Zwang und Datenschutz

18.08.2016 | 12:48 Uhr |

Die EFF übt scharfe Kritik an Microsoft wegen Windows 10. Der Wille der Nutzer und der Datenschutz würden missachtet.

Die US-amerikanische Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hat ihre Untersuchung zu Windows 10 nach Nutzer-Beschwerden abgeschlossen und kritisiert Microsoft scharf. Mit Windows 10, so die EFF in einer Mitteilung , missachte Microsoft nicht nur "eklatant" den Willen der Nutzer, sondern auch deren Privatsphäre.

Kritik an der Upgrade-Praxis

Die Upgrade-Praxis von Microsoft für Windows 10 wird dabei von der EFF als "aggressiv" bezeichnet. Microsoft verfolge das Ziel, dass Windows 10 bis Ende 2018 auf über einer Milliarde Geräte laufe. Um dieses Ziel zu erreichen, greife Microsoft zu verschiedenen Mitteln, um die Nutzer zum Upgrade zu bewegen. Während der Gratis-Upgrade-Frist im ersten Jahr habe Microsoft beispielsweise dazu ein Tool an die Nutzer der Vorgängerversionen ausgeliefert, welches sich nicht leicht verstecken oder entfernen ließ. Nachdem findige Nutzer doch Tricks gefunden hatten, habe Microsoft das Tool geändert. Dadurch habe sich ein Katz-und-Maus-Spiel entwickelt, um das Tool entfernen zu können.

Später habe Microsoft dann Windows 10 über das Windows Update System ausgeliefert, wobei Windows 10 im Hintergrund heruntergeladen wurde. Schließlich sei es dann auch seitens Microsoft als "empfohlenes Update" verbreitet worden. Sogar eine Windows-10-Werbung habe Microsoft in einem Sicherheitspatch für den Internet Explorer versteckt. Der EFF verweist auch noch auf das Windows-10-Upgrade Popup, bei dem ein Klick auf das "x" zum Schließen des Fensters als Zustimmung für das Windows 10 Upgrade gewertet wurde.

All das, so der EFF, seien Beispiele dafür, dass Microsoft sich nicht dafür interessiert habe, was die Nutzer eigentlich wünschen.

Kritik am Schutz der Privatsphäre

Der EFF kritisiert auch einen mangelnden Respekt vor der Privatsphäre der Nutzer seitens Microsoft. Als Beispiel dafür wird Cortana aufgeführt. Die persönliche Assistentin benötige eine Vielzahl von Nutzerdaten, wie etwa den Standort, Texteingaben, Spracheingaben, besuchte Websites, etc. Der EFF räumt ein, dass Cortana tatsächlich so viele Informationen brauche, um ihren Zweck zu erfüllen. Kritisiert wird allerdings, dass Cortana sehr tief im System integriert ist und es den Nutzern erschwert werde, die Datensammelfunktionen abzuschalten.

Und selbst wenn die Nutzer die entsprechenden Einstellungen entdeckt hätten, sei nicht sichergestellt, dass Windows 10 nicht dennoch Daten an Microsoft-Server sende. Microsoft verweise zwar darauf, die Telemetriedaten würden anonym gesammelt, allerdings verrate Microsoft nicht, um welche Daten es sich handle, wie die Anonymisierung der Daten geschehe und wie lange genau die Daten gespeichert bleiben. Die Begründung von Microsoft, dass Sammeln der Telemetriedaten sei notwendig, um die Sicherheitsupdates an die Nutzer ausliefern zu können, lässt der EFF nicht gelten. Es gäbe keinen guten Grund dafür, warum Microsoft selbst bei einem niedrigsten Level an Telemetriedaten die Nutzer nicht dennoch mit Sicherheitsupdates über Windows Update versorgen könnte, ohne dabei App-Nutzungsdaten oder IMEI-Nummern sammeln zu müssen.

"Es gibt keinen Zweifel darüber, dass Windows 10 einige großartige Sicherheitsverbesserungen im Vergleich zu früheren Versionen des Betriebssystems besitzt. Aber ist eine Schande, dass Microsoft die Nutzer dafür zwischen Privatsphäre und Sicherheit wählen lässt", so der EFF.

EFF: Microsoft sollte Änderungen durchführen

Der EFF fordert Microsoft dazu auf, mit der Nutzergemeinde von Windows 10 "ins Reine zu kommen". Dazu müsse das Unternehmen seine Fehltritte erkennen und entsprechende Änderungen in Windows 10 durchführen. Indem Nutzer beispielsweise echte Opt-Out-Möglichkeiten erhalten und diese möglichst in einem einzigen Bildschirm auswählen können. Zusätzlich hält es der EFF für sinnvoll, wenn Microsoft künftig Sicherheitsupdates von Betriebssystemupdates trenne und damit nicht mehr versuche, die Wünsche der Nutzer und deren Privatsphäre-Erweiterungen zu umgehen.

"Wir drängen Microsoft dazu, auf diese Bedenken zu hören und dieses Feedback in dem nächsten Release seines Betriebssystems zu berücksichtigen", so der EFF. Ansonsten drohe Microsoft die Gefahr, dass sich die Nutzer abwenden und zu einer Alternative wecheln, die für sie besser sei.

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