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WinHEC 2006: PRCS in Windows Vista soll Daten schon vor einem Festplatten-Crash retten

25.05.2006 | 01:12 Uhr |

Mit PRCS stellt Microsoft auf der WinHEC 2006 in Seattle eine in der Entwicklung befindliche Technologie vor, die in Zukunft Daten retten soll, bevor eine Festplatte Schaden nimmt. In der Beta 2 ist diese Technologie noch nicht enthalten.

Microsoft hat in Windows Vista diverse Technologien integriert, die im Falle eines Festplatten-Problems Lösungen bieten sollen, um System und Daten zu retten.

Bereits bei der Beta 2 von Windows Vista lässt sich beobachten, wie sich das Betriebssystem künftig bei Festplatten-Problemen verhält: Windows Vista blendet einen Warnhinweis ein und bietet dem Anwender die Möglichkeit, die Daten über das mitgelieferte und im Vergleich zu den Windows-Vorgängern stark erweiterte Backup-Programm zu sichern.

Ein anderes Problem´dürften viele Windows-Anwender bereits kennen gelernt haben: Die Partition, auf der Windows installiert ist, hat einen Defekt und Windows lässt sich nicht mehr booten. Dem will Microsoft in Windows Vista mit dem „Windows Recovery Enviroment“ begegnen. Vista nutzt hierbei eine zweite, sekundäre Partition, um Systemdaten zu speichern. Sollte das Betriebssystem auf der ersten Parition nicht booten können, dann weicht Vista auf die zweite (hoffentlich intakte) Partition aus. Anschließend wird versucht, die Probleme zu lösen, die bei der ersten Partition dazu führten, dass über diese nicht mehr gebootet werden kann. Für die Reparatur des Problems verwendet Vista den System File Cache, der auch bei anderen Problemen mit System-Dateien genutzt wird.

Standardmäßig ist „Windows Recovery Enviroment“ nicht aktiviert. Während der Installation muss der Anwender explizit angeben, dass er dieses Feature nutzen möchte.

Alles bisher erwähnte ist in Windows Vista bereits integriert und wird teilweise durch das S.M.A.R.T-Feature der Festplatten ermöglicht. Ein Nachteil bleibt aber: Die genannten Funktionen greifen immer erst dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Also dann, wenn die Festplatte bereits einen Defekt hat. Aus diesem Grund entwickelt Microsoft derzeit eine Technologie, die vorausschauend den Zustand der Festplatte beobachten und den Anwender frühzeitig warnen soll, bevor ein Defekt eintritt.

Auf der WinHEC in Seattle stellt Microsoft diese Technologie unter dem Namen „PRCS“ (proactive reporting and correcting safeguard) vor. PRCS nutzt bereits in Festplatten vorhandene Sensoren, um Anwender frühzeitig warnen zu können, wenn Gefahr für Ihre Daten droht.

Als Grund für die Notwendigkeit von PRCS nennt Microsoft die Tatsache, dass die Festplatte immer größer werden (aktuell 750 GB) und Fehler dadurch immer schlimmere Folgen mit sich bringen. Außerdem seien RAID-Lösungen für viele Anwender derzeit noch zu teuer.

Auf der WinHEC wurde den Anwesenden vorgeführt, wie PRCS funktioniert. So wurde beispielsweise auf eine Festplatte ein starke Lampe gehalten, wodurch sich die Festplatte erhitzte. Windows Vista reagiert durch PRCS mit einem Warnhinweis. Der Anwender wird dabei informiert, dass das Laufwerk ungewöhnlich warm ist und es werden Ratschläge gegeben, wie er das Problem lösen kann. Wird die Festplatte noch weiter erhitzt, dann zieht Windows Vista die Notbremse. Es blendet nicht nur einen Warnhinweis ein, sondern stoppt auch jegliche Festplattenaktivitäten, damit keine Daten verloren gehen können. In dem Warnhinweis wird empfohlen, denn Rechner per Mausklick in den Schlafzustand zu befördern, um sich dann in Ruhe um das Problem kümmern zu können. Wer dem Ratschlag nicht folgen möchte, der kann den Warnhinweis auch einfach wegklicken und weiterarbeiten. Das Risiko trägt dann der Anwender selbst, schließlich war er ja gewarnt worden.

In einer weiteren Demo wurde gezeigt, wie sich Windows Vista verhält, wenn die Festplatte zu stark vibriert (z.B. bei einer Zugfahrt). Auch hier erscheint dann in Windows Vista ein Warnhinweis, der den Anwender auf die Vibrationen aufmerksam macht. Gemessen wird dies übrigens über einen Sensor am Schreibkopf der Festplatte, der standardmäßig bei vielen Festplatten schon verbaut ist. Werden die Vibrationen zu stark, stoppt Windows Vista alle Festplattenzugriffe und warnt den Anwender erneut. Sobald die Vibrationen aufhören, verschwindet auch der Warnhinweis.

Auch im dritten Szenario wird der Sensor des Schreibkopfs der Festplatte verwendet. Hier geht es darum, dass die Festplatte einen starken Schlag abkriegt, der dazu führt, dass der Kopf die Platte berührt und dadurch eventuell Daten zerstört werden. Durch PRCS reagiert Windows Vista wie folgt: Es erscheint ein Warnhinweis, jegliche Festplattenzugriffe werden gestoppt und es wird der Bereich überprüft, auf dem der Festplattenkopf aufgeschlagen ist. Das hat einen wesentlichen Vorteil: Das Scannen nur dieses Bereiches dauert nur wenige Sekunden. Müsste die gesamte Festplatte detailliert untersucht werden, würde dies im Falle einer 750-GB-Festplatte beispielsweise um die 6 Stunden dauern. Zeit, die sich Anwender ohnehin schon jetzt kaum nehmen.

PRCS befindet sich, wie bereits erwähnt, in der Entwicklung und ist auch noch nicht in der Beta 2 von Windows Vista enthalten. Die Microsoft-Entwickler führten PRCS mit einem speziellen, internen Build von Vista vor. Unklar ist derzeit, ob PRCS in der finalen Vista-Version enthalten sein wird. Wir gehen nicht davon aus, denn mit der Beta 2 ist Windows Vista eigentlich „Feature complete“. Wir rechnen eher damit, dass PRCS später als Update für Windows Vista nachgereicht wird. Im Juni treffen sich die Entwickler von PRCS um die Spezifikationen für die Technologie festzulegen.

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