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Win 2000 Scientology-frei

06.11.2000 | 16:36 Uhr |

Nach dem schon länger andauernden Disput zwischen Microsoft und dem deutschen Bundesamt für Sicherheit (BSI) wegen des Defragmentierungsprogramms Diskeeper, das von einem bekennenden Scientologen stammt, beugt sich der Softwaregigant aus Redmond dem öffentlichen Druck: Microsoft erklärt nun, wie sich "Diskeeper" aus Windows 2000 entfernen lässt.

Nach dem schon länger andauernden Disput zwischen Microsoft und dem deutschen Bundesamt für Sicherheit (BSI) wegen des Defragmentierungsprogramms Diskeeper, das von einem bekennenden Scientologen stammt, beugt sich der Softwaregigant aus Redmond dem öffentlichen Druck: Microsoft Deutschland erklärt nun, wie sich "Diskeeper" aus Windows 2000 entfernen lässt. Damit hat der Streit um das Defragmentierungsprogramm von Windows 2000 ein Ende.

Das Defragmentierungsprogramm Diskeeper ist Bestandteil von Windows 2000. Das Programm hatte jedoch in der Öffentlichkeit große Empörung hervorgerufen, weil die US Firma Executive Software dem Scientologen Craig Jensen gehört. Darin sahen viele deutschen Sicherheitsexperten ein Sicherheitsrisiko.

Es wurde der Verdacht geäußert, dass Informationen über Anwender von Windows 2000 über das Internet ausspioniert werden könnten. Pikant sind diese Sicherheitsbedenken deshalb, weil Windows 2000 auf Grund seiner Stabilität und Datensicherheit besonders für den Einsatz in sicherheitsrelevanten Bereichen vorgesehen ist.

Die Bundesregierung beauftragte daraufhin das BSI mit der Überprüfung von Windows 2000. Hierfür wäre die Offenlegung des sorgsam gehüteten Quellcodes erforderlich gewesen. Dies verweigerte Microsoft jedoch. Zahlreiche staatliche und kirchliche Institutionen der Bundesrepublik und einzelne Bundestagsabgeordnete rieten daraufhin vom Kauf von Windows 2000 ab. Dem daraus resultierenden Imageschaden will Microsoft nun mit diesem Schritt entgehen.

Auf der deutschen Site von Microsoft werden die erforderlichen Schritte für die Deinstallation detailliert beschrieben. Unangenehm ist jedoch, dass nach jeder Installation eines Service Packs Diskeeper erneut entfernt werden muss. Zudem übernimmt Microsoft keine Verantwortung und keinen Support für diesen Vorgang.

Auf scharfe Kritik stieß das deutsche Vorgehen bei Craig Jensen: "Es stinkt unter den deutschen Regierungsstellen sehr nach religiöser Intoleranz... Zuerst hätten sie Kinoproduktionen boykottiert, in denen Scientologen als Schauspieler auftraten. Nun sei amerikanische Software ihr Ziel. Als nächstes kämen amerikanische Autos, Bücher, Hardware, Textilien etc. an die Reihe", so der Scientologe. (PC-WELT, 06.11.2000, hc)

www.microsoft.com: So wird man Diskeeper wieder los

Spioniert Diskeeper Anwender aus? (PC-WELT Online, 07.06.2000)

Verfassungschutz will Windows 2000 überprüfen (PC-WELT Online, 07.03.2000)

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