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Wildkameras im Visier der Datenschützer

05.05.2014 | 12:44 Uhr |

Vor zwei Jahren hat eine versteckte Wildkamera einen österreichischen Politiker beim Sex im Wald gefilmt. Mittlerweile soll es 100.000 dieser Kameras in deutschen Wäldern geben.

Eine Wildkamera ist eine extra für den Wald gefertigte Kamera, die Bilder von Tieren aufnehmen soll. Meist wird sie über einen Bewegungssensor ausgelöst und speichert die Aufnahmen auf einem internen Speicher. Damit sie die Tiere nicht wahrnehmen, wird sie unauffällig im Gebüsch oder an Baumstämmen platziert. Ein paar Zweige kaschieren die Halterung. Wie der Rheinland-Pfälzische Datenschutzbeauftragte Edgar Wagner dem Spiegel mitteilt , haben vermutlich schon mehr als 100.000 Jäger solche Kameras im Wald montiert. Und zwar illegal, wie er hinzufügt. Auf der Basis von Verkaufszahlen von Discountern schätzt er die Zahl allein in der Rheinland-Pfalz auf rund 30.000.

Das Problem, welches die Datenschützer in den Wildkameras sehen: Die Kameras machen keinen Unterschied zwischen Reh und Spaziergänger. Ohne deren Wissen landen auch Aufnahmen von Wanderern und Joggern auf dem Foto-Speicher.

Den Kamera-Aufstellern droht Wagner nun ein Bußgeld von 5.000 Euro an, wenn Sie die Kameras trotz Aufforderung nicht entfernen. Er rechnet auch schon mit Gerichtsprozessen im zweiten Halbjahr 2014 gegen Jäger, die sich weigern. Die genehmigten Ausnahmen von aufgestellten Wildkameras seien für gesperrte Bereiche wie Wildbrücken über Straßen oder wissenschaftliche Projekte gedacht. Eine Ausnahme stellt übrigens Hessen dar. Weil dort das Betreten von Fütterungstellen und Hochsitzen verboten ist, könne dort gefilmt werden. Es darf sich ja eigentlich eh kein Unbeteiligter dort aufhalten.

Der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz will sich gegen die Bußgelder wehren. Man stelle, so die Begründung, die Kameras sowieso an abgelegenen Stellen auf, weil der Geruch von Wanderern und Spaziergängern das Wild störe. Schilder mit Warnhinweisen nach dem Motto "Achtung, Wildkamera filmt" seien inakzeptabel, da sie einer Aufforderung zum Stehlen der Kameras gleichkämen. Die Hochrechnung der aufgestellten Kameras anhand der Verkaufszahlen im Discounter sei ferner problematisch, da viele Käufer sie wohl bei sich im Garten aufstellen würden. Und das ist - sofern nicht etwa öffentliche Wege oder der Nachbargarten mit auf den Fotos zu sehen ist - zulässig.

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