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Wikipedia.de und Tron: Das sagen Wikimedia und Kläger

20.01.2006 | 10:41 Uhr |

Wikipedia.de ist außer Betrieb, weil in dem Online-Lexikon der Hacker Tron mit vollem bürgerlichen Namen genannt wird. Die PC-WELT sprach mit dem Rechtsanwalt, der die klagende Mutter vertritt und mit dem Rechtsbeistand von Wikimedia Deutschland. Außerdem gibt es mittlerweile eine Stellungnahme des Verlags, der die gedruckte Ausgabe und die DVD-Ausgabe von Wikipedia verbreitet.

Der Streit um die Löschung des bürgerlichen Namens von Tron aus dem entsprechenden Eintrag in Wikipedia erhitzt die Gemüter. Die PC-WELT sprach mit dem Rechtsanwälten der beiden Parteien: Mit Friedrich Kurz, der die Eltern von Tron vertritt, und mit Thorsten Feldmann, der für Wikimedia Deutschland kämpft.

Die Sicht des Klägers: Friedrich Kurz

Kurz stellt die Auseinandersetzung folgendermaßen dar: Tron ist Zeit seines Lebens nur unter seinem Hackernamen aktiv gewesen, nie unter seinem bürgerlichen Namen. Zudem leiden die Eltern bis heute unter dem Tod ihres einzigen Sohnes (Tron starb 1998 unter mysteriösen Umständen). Die Tatsache, dass Tron ein aktiver Hacker war, mache ich nicht zwangsläufig zu einer wichtigen Person der Zeitgeschichte. Deshalb pochen die Eltern auf das postmortale Persönlichkeitsrecht ihres Sohnes. Konkret heißt das: Trons Realname darf nur in der für Medien üblichen Vorgehensweise genannt werden, also Vorname ganz ausgeschrieben und Nachname nach dem ersten Buchstaben abgekürzt. Das ist die Forderung, die Kurz an die Wikimedia Foundation Inc. (Wikipedia.org) stellte.

Diese Forderung liegt der ersten einstweiligen Verfügung des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg zu Grunde. Bei der Zustellung der Verfügung lief aber einiges schief. Jimmy Wales, der Gründer der Wikimedia Foundation Inc., wohnt in St. Peterburg im US-Bundesstaat Flordia . Die Verfügung ging aber in das erheblich bekanntere St. Petersburg in der russischen Föderation. Nachdem dieser Irrtum bemerkt wurde, ist die gerichtliche Anordnung jetzt aber in den USA unterwegs, wo sie auf diplomatischem Weg zugestellt werden muss, wie Kurz erläutert.

Parallel dazu führte Kurz im Auftrag der Eltern Gespräche mit Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V. , um eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Doch Wikimedia Deutschland ging Kurz zufolge darauf nicht ein, dort "sei kein Einsehen vorhanden" wie Kurz es formuliert. Wikimedia zufolge seien alle Inhalte frei. Einen persönlichen Datenschutz würde Wikimedia laut Kurz nicht akzeptieren.

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