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Wikipedia-Teilsperrung von Artikeln: Das steckt dahinter

20.12.2005 | 12:19 Uhr |

Jimmy Wales, der Gründer von Wikipedia, gab kürzlich ein Interview, das erhebliche Wellen schlug. Denn Wales erklärte darin, dass man plane, bestimmte Artikel dahingehend zu sperren, dass sie für nicht registrierte oder erst seit kurzem registrierte Benutzer nicht mehr editierbar seien. Das Ganze läuft unter dem Ausdruck "Semi-Protection". Schon machte der Ausdruck vom Philosophiewechsel bei Wikipedia die Runde. Die Verantwortlichen der deutschen Wikipedia sahen sich dadurch genötigt, den Sachverhalt der "Semi-Protection" nochmals klar zu stellen. Und zwar auf eine ironische, fast schon polemische Art. PC-WELT erklärt Ihnen, was die englische und die deutsche Wikipedia vorhaben, allerdings ganz ohne Ironie und Polemik.

Die Macher der deutschsprachigen Wikipedia sind ganz offensichtlich genervt. Die Meldungen der letzten Wochen drehten sich zumeist um verleumderische Artikel ( aufgehängt am Beispiel des Journalisten Seigenthaler ) oder um urheberrechtlich problematische Beiträge ( wie die Sache mit den DDR-Lexika ). Dann legten die Verantwortlichen der englischen Wikipedia mit geplanten Maßnahmen wie der angedachten Teilsperrung von Artikeln für nicht registrierte oder erst seit kurzem registrierte Benutzer nach. Das führte zur Veröffentlichung einer reichlich ironisch formulierten FAQ auf der deutschen Wikipediaseite. Doch das Ganze hat auch etwas Gutes, erhellt es doch die Pläne, mit denen Wikipedia die mitunter sehr hohe Qualität seiner Artikel vor Vandalismus schützen will.

Wikipedias Stärke: jeder Interessiert kann grundsätzlich jeden Artikel ändern. Wikipedias größte Schwäche: jeder Interessiert kann grundsätzlich jeden Artikel ändern.

So kann man es grob vereinfacht ausdrücken. Denn selbst wenn die überwiegende Mehrheit der Wikipedia-Autoren noch so sorgfältig arbeitet, können einige wenige Spaßvögel oder ideologisch verblendete Rechthaber-um-jeden-Preis das Gesamtwerk ganz schön in Mitleidenschaft ziehen. Die harmloseren Schäden entstehen noch durch schlampige Recherchen, die zu sachlich falschen Darstellungen ohne böse Absicht führen. Auch sprachliche Schwächen eines Autors hemmen vielleicht den Lesefluss, sind aber nicht wirklich tragisch (wer liest schon ein Lexikon aus Spaß an der Sprache…). Nein, was Wikipedia zuletzt erheblich in Misskredit brachte, war das vermutlich/vielleicht wissentliche Veröffentlichen von Artikeln, die das geistige Eigentum andere Autoren waren ohne diese zu nennen und – noch schlimmer – die verleumderische Darstellung eines Sachverhaltes. Und dagegen will sich Wikipedia zu Recht schützen.

Jimmy Wales sieht eine Lösung in der Semi-Protection-Policy, also in so genannten "stable versions" von bestimmten, zuletzt von Vandalismus heimgesuchten Artikeln. Diese Wikipedia-Beiträge sollen nicht mehr von jedermann verändert werden können. Mitarbeiter von Wikipedia müssten die für die Teilsperrung in Frage kommenden Beiträge zuvor prüfen.

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