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Qualität abhängig von Zusammenarbeit

13.03.2010 | 15:25 Uhr |

Die Qualität von Wikipedia-Einträgen hängt davon ab, wie die Autoren untereinander zusammenarbeiten. Die Kollaborationsmuster haben einen direkten Effekt auf die inhaltliche Qualität eines Artikels.

Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Universitätsprofessorin Sudha Ram vom Eller College of Management an der University of Arizona in Kooperation mit dem Doktoratsstudenten Jun Liu. Bisher hätten sich Untersuchungen zu Wikipedia hauptsächlich damit beschäftigt, wie groß die Gesamtzahlen von Bearbeitungen sind oder wie viele Autoren an einem Beitrag mitgeschrieben haben, so Ram. "Was gefehlt hat, war eine Erklärung dafür, wieso manche Artikel von hoher Qualität sind und andere nicht."

"In vielen Artikeln ist es tatsächlich so, dass erst in der Zusammenarbeit verschiedener Autoren ein wirklich guter Artikel entsteht. Es werden unterschiedliche Sichtweisen aufgenommen, verschiedene Quellen herangezogen, der Stil, die Rechtschreibung und die Grammatik werden gemeinschaftlich überarbeitet und so weiter", bestätigt auch Pavel Richter, Geschäftsführer Wikimedia Deutschland, Rams Untersuchungsergebnisse gegenüber pressetext. Es gelte die Aussage "Vier Augen sehen mehr als zwei" auch für Wikipedia.

Dennoch räumt Richter ein, dass viele Artikel auch durch die Arbeit und das Engagement Einzelner entstehen. "Sei es durch berufliche Erfahrungen, sei es ein Hobby, das in der Wikipedia dargestellt wird, vielfach ist es die ausdauernde Arbeit von Einzelnen, die Artikel entstehen und wachsen lässt." In allen Fällen hänge die Qualität der Artikel vom neutralen Standpunkt ab, der in ihm zum Ausdruck kommen müsse. "Auch die angegebenen Quellen sowie ein neutraler und enzyklopädische Stil und gute, weiterführende Literatur und Weblinks sind grundlegend für einen qualitativ hochwertigen Artikel", betont Richter.

Wikipedia führt ein eigenes Bewertungssystem die Qualität der Artikel betreffend. An der Spitze stehen Sonderartikel, gefolgt von Einträgen in den Kategorien A, B und C. Ram und Liu untersuchten insgesamt 400 Beiträge - zufällig ausgewählt quer durch alle Kategorien, berichtet EurekAlert. "Wir haben Datenbankanalysen eingesetzt und diverse Muster der Zusammenarbeit auf Basis dessen, wer was zu einem Artikel beiträgt, identifiziert", erläutert Ram.

Insgesamt wurden sieben spezifische Rollen von Wikipedia-Autoren definiert. Die "Beginner" etwa sind demnach jene, die einzelne Sätze verfassen, aber ansonsten nicht viel mehr beitragen. Die "Inhalte-Rechtfertiger" schreiben ebenfalls Sätze dazu, belegen diese aber noch mit Quellen und Links. Dann gibt es wiederum eine Gruppe, die sich hauptsächlich darauf beschränken, vorhandene Sätze zu modifizieren. Einzelne Nutzer übernehmen aber auch mehrere Aufgaben auf einmal, diese kategorisiert Ram als "Allrounder".

Laut Ram zeigte sich bei den Vergleichen und Auswertungen, dass die Allrounder an Artikeln mit der höchsten Qualität am häufigsten beteiligt sind. Um wirklich gute Artikel zu generieren, müssen aber viele Autoren der verschiedenen Typen zusammenarbeiten.

(pte)

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