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Wikipedia: Nature vergleicht Qualität mit der von Encyclopaedia Britannica

15.12.2005 | 11:35 Uhr |

Bei all den negativen Berichten rund um Wikipedia, kommt jetzt eine frohe Botschaft von der Wissenschaftszeitschrift "Nature". Experten der Zeitschrift verglichen insgesamt 42 Artikel von Wikipedia mit denen der Encyclopaedia Britannica. Das Ergebnis: Beide Werke schnitten fast gleich ab.

In denen von "Nature" verglichenen Artikel, fanden die Experten insgesamt je vier Ungenauigkeiten bei Wikipedia und bei Britannica. Das Ergebnis sei, so Nature, verblüffend, wenn man bedenkt, wie Artikel in Wikipedia zustande kommen

"Ein Solar-Physiker könnte, zum Beispiel, einen Eintrag über die Sonne verfassen und hätte den selben Status wie Mitwirkende ohne akademischen Background. Dispute über den Inhalte werden in der Regel in Diskussionen zwischen den Usern gelöst", so Nature. Die Artikel bei Wikipedia, die in der letzten Zeit für schlechte Publicity für Wikipedia gesorgt hatten, seien eher Ausnahmen und keine Regel.

Für den Vergleich wurden insgesamt 42 Artikel ausgewählt und Experten des jeweiligen Faches zur Überprüfung vorgelegt. Den Experten wurde dabei nicht verraten, welcher Artikel von Wikipedia und welcher von der Encyclopaedia Britannica stammt. Die Liste der verglichenen Artikel finden Sie auf dieser Seite .

Insgesamt fanden die Experten acht schwerwiegende Fehler (falsche Interpretation von wichtigen Konzepten) in den Artikeln: Jeweils vier in Wikipedia und vier in Britannica. Hinzu kamen faktische Fehler oder irreführende Statements. Hiervon fanden die Experten 162 Stück in Wikipedia und 123 bei Britannica.

Verbesserungsbedarf besteht. So sind laut Nature viele Artikel bei Wikipedia einfach schlecht geschrieben, hätten keine gute Struktur und seien konfus. Gegenüber der gedruckten Britannica sei aber Wikipedia in Punkto Geschwindigkeit überlegen, wenn es um eine Aktualisierung von Artikeln geht.

In einer internen Umfrage stellte Nature fest, dass über 70 Prozent der eigenen Autoren von Wikipedia gehört haben, sich aber nur 17 Prozent über Wikipedia Informationen verschaffen und sogar nur 10 Prozent aktiv mitwirken, wenn es um die Aktualisierung von Artikeln geht. Eine größere Beteiligung der Wissenschaftler an Wikipedia könnte dabei helfen, die Artikel zu verbessern. Angesichts der Leserschaft von Nature könnte dies dazu beitragen, dass mehr Experten sich künftig bei Wikipedia engagieren.

Wikipedia-Vater Jimmy Wales plant laut dem Bericht von Nature eine Neuerung in Wikipedia einzuführen. Künftig soll es von jedem Artikel eine "stabile" Version geben. Sobald ein Artikel eine bestimmte Qualität erreicht hat, soll er als "stabil" markiert werden. Änderungen an dem Artikel sind dann zwar weiterhin möglich, werden dann aber nur in der "stabilen" Version übernommen, wenn die Änderung als signifikante Verbesserung angesehen wird.

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