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Wikipedia-Gründer arbeitet an Google-Alternative

27.12.2006 | 12:53 Uhr |

Einen Teil der Entwicklung finanziert das Online-Handelsunternehmen Amazon.

Gute Nachrichten für alle, denen Omnipräsenz und Alleinherrschaftsanspruch der Online-Suchmaschine Google bedenklich erscheinen: Jimmy Wales, Begründer des Online-Lexikons Wikipedia, plant eine "demokratische" Alternative. Die neue Suchmaschine soll ebenfalls auf dem Wiki-Modell basieren und qualitative Entscheidungen der Nutzer einbeziehen.

Wales erklärt die gängige Suchmaschinen-Technologie für nicht mehr zeitgemäß: "Sie ist aus denselben Gründen zerbrochen wie die proprietäre Software: Mangel an Freiheit, an Gemeinschaft, Verantwortung und Transparenz." Google - wie auch andere gängige Suchmaschinen - bestimmt die Reihenfolge der Suchergebnisse anhand festgeschriebener Algorithmen, die für den unbedarften Netsurfer nicht durchschaubar sind, von Marketing-Profis hingegen instrumentalisiert werden können. Im Gegensatz dazu sollen die Anwender der Wiki-Suchmaschine selbst Prioritäten setzen und die Qualität der Treffer online kommentieren können. Indem diese Kommentare zurückgespiegelt werden, bekommen die Informationssuchenden immer zuerst die Ergebnisse präsentiert, die andere vor ihm gut und nützlich fanden. Zudem besteht die Infrastruktur der Wiki-Suchmaschine aus lizenzfreier Software, deren Code sich von externen Programmierern anschauen, nutzen und weiterentwickeln lässt.

"Wir wissen alle, dass Google und Yahoo sehr gute Suchmaschinen sind", zitiert der Online-Nachrichtendienst Welt.de den 40jährigen Internet-Unternehmer Wales, der mit seinem Softwareunternehmen Wikia Inc. auch kommerzielle Interessen verfolgt, "aber wir wissen ebenso gut, dass gemeinschaftliche Arbeit eine mächtige Technik ist". Auf dieser Grundlage haben er und sein zum großen Teil aus Wikia gespeistes Entwicklerteam bereits einen Teil der Suchmaschine programmiert sowie eine kleine Datenbank mit abgefragten Websites angelegt. Im ersten Quartal 2007 will Wales einen Prototyp der Öffentlichkeit vorstellen. Allerdings warnt er vor allzu hoch fliegenden Erwartungen, denn schließlich handle es sich um eine "gemeinschaftliche" Software, die erst am Anfang der Entwicklung stehe.

Einen Namen hat die Software bislang auch noch nicht. Gute Chancen hat aber das Kunstwort "Wikiasari" (zusammengesetzt aus der hawaiianischen Vokabel für schnell und dem japanischen Begriff für Suche), denn in der Open-Source-Szene setzen sich die von den Entwicklern verwendeten Arbeitstitel gern als Bezeichnungen durch.

Medienberichten zufolge hat Wales für die Finanzierung der "Wikiasari"-Entwicklung das Online-Handelshaus Amazon ins Boot geholt. Dessen Engagement dürfte sich im Millionen-Dollar-Bereich bewegen. Dass es sich dabei um eine massive Allianz gegen Google handelt, wie in der britischen Tagespresse zu lesen war, bestreitet Wales allerdings: "Amazon hat in Wikia investiert, noch haben sie sich nicht weitergehend beteiligt." (qua)

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