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BotPrize sucht menschlichere KI-Gegner für Games

12.09.2009 | 14:10 Uhr |

Auf dem IEEE Symposium on Computational Intelligence and Games hat diese Woche in Mailand die zweite Auflage des Wettbewerbs BotPrize ihren Abschluss gefunden. Dabei galt es für die Teilnehmer, computergesteuerte Gegner - sogenannte "Bots" - für ein Spiel zu entwickeln, die sich so menschlich verhalten, dass die Wettbewerbsjuroren tatsächlich einen Gegenspieler aus Fleisch und Blut vermuten.

"Games als kommerzielle Anwendung sind definitiv eine der Motivationen für diese Arbeit. Doch es gibt auch viel ernsthaftere Anwendungen, wo Bots oder Agenten so menschlich wie möglich wirken sollten", meint Philip Hingston, BotPrize -Organisator und Informatiker an der Edith Cowan University , gegenüber pressetext. Die Spiele sind dabei eine günstige, sichere Umgebung für die Entwicklungsarbeit. "Ein großes Interesse ist natürlich, 'bessere' Bots zu schaffen, die menschenähnlicher sind und gegen die das Spiel somit mehr Spaß macht", sagt Hingston. Allerdings kann die Arbeit daran auch anderen Gebieten zugute kommen. "Bei Simulationen, die zur Ausbildung von Sicherheitskräften dienen, ist es wichtig, dass sich die simulierten Menschen so weit wie möglich wie reale verhalten", nennt der Informatiker ein Beispiel. Auch die KI-Entwicklung für Roboter könnte profitieren. "Games sehen zunächst vielleicht nicht ernsthaft aus, aber sie haben Vorteile gegenüber Robotern", erklärt Hingston. So könnten Spiele deutlich billiger und schneller geschaffen und verändert werden. "Auch können Ideen in Games ausprobiert werden, ohne dass es echte Risiken gibt, wenn etwas schief geht", so der Wissenschaftler. Nicht zuletzt seien Games aber auch eine gute Möglichkeit, um fähige junge Informatikstudenten anzusprechen.

Im Rahmen des BotPrize ging es darum, für den Shooter Unreal Tournament 2004 einen Computerspieler zu entwickeln, der ein möglichst menschliches Verhalten an den Tag legt. Insgesamt 15 Teams hatten für diese Auflage des Wettbewerbs genannt, wovon nach einer Vorausscheidung fünf in Mailand angetreten sind. Beim Finale war das Ziel, möglichst viele von fünf menschlichen Juroren zu täuschen und zur Einschätzung zu bewegen, dass der Bot wirklich ein menschlicher Spieler sei. Alle fünf Computerspieler haben dabei zumindest einen Juror von ihrer Menschlichkeit überzeugt. Am erfolgreichsten war der " sqlitebot " von Jeremy Cothran, der sich nun über eine Einladung des Wettbewerbssponsors, dem Games-Studio 2K Australia , freuen darf. Den großen Preistopf von über 4.000 Euro konnte sqlitebot allerdings nicht knacken. Dazu wäre es nötig gewesen, 80 Prozent der Jury zu täuschen - eine Leistung, zu der auch der beste Bot noch nicht in der Lage war.

Wissenschaftlich gesehen ist der BotPrize eine Art "Turing-Test für Bots". Der englische Mathematiker und Informatiker Alan Turing hatte 1950 die Idee beschrieben, dass ein Computer dann wirklich "intelligent" ist, wenn er im Rahmen eines Fragespiels einem Menschen so ähnlich ist, dass der Fragende nachher nicht sagen kann, welcher der beiden Antwortgeber eine Maschine ist. In der Praxis würde ein geeigneter Test als bestanden gesehen, wenn ein Computer eine überzeugende Mehrheit an Fragestellern verwirren kann - was aber bislang nicht gelungen ist. (pte)

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