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Weniger Datenlecks in Europa Dank Datenschutzgesetzen

09.08.2005 | 16:16 Uhr |

Der Schutz der Privatsphäre ist in Europa stärker kulturell und gesetzlich verankert als in den USA.

In den USA wird dieses Jahr wohl auch als dasjenige in Erinnerung bleiben, in dem eine große Zahl von gestohlenen oder verloren gegangenen Daten zu verzeichnen ist. Banken und andere Finanzdienstleister mussten in den letzten Monaten zugeben, dass Datensätze von Millionen von Kunden in die Hände von Kriminellen gefallen sind.

Aus den Ländern Europas hingegen liest man wenig über vergleichbare Vorfälle. In US-Medien gibt es nun Diskussionen darüber, warum das so ist. Als Grund machen einige aus, dass es in Europa restriktivere Datenschutzgesetze gibt. Mehr noch - Europa habe eine ganz andere Kultur beim Schutz der Privatsphäre.

In den USA gibt es viele Gesetze, die den Bürger vor dem Staat schützen sollen, während der Datensammelwut privater Unternehmen kaum Grenzen gesetzt werden. In Europa ist es eher umgekehrt. Private Unternehmen dürfen nur die Daten speichern, die für ihre Kundenbeziehung notwendig sind und müssen die Einwilligung der Betroffenen einholen. Sie sind ebenso wie Behörden zur Einhaltung von Datenschutzgesetzen verpflichtet, die den Zugriff auf gespeicherte Informationen stark einschränken. Der Schutz der Privatsphäre gegenüber der Wirtschaft wird als Grundrecht angesehen.

In den USA hingegen sind private Daten ein Wirtschaftsgut. Amerikaner sind weit mehr als Europäer daran gewöhnt, dass sich ihre Daten in den Händen privater Unternehmen befinden. US-Unternehmen speichern alle Daten über ihre Kunden, die sie bekommen können und verkaufen sie auch weiter. Spezielle Datenschutzbehörden gibt es im Grunde nicht - Datenschutzbelange sind über viele staatliche Stellen verstreut. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Branche der Datensammler in den USA die weltweit größte ihrer Art ist.

So kommt es, dass bei Fällen von Datendiebstahl in den USA Informationen über Privatpersonen in die Hände von Kriminellen fallen können, die Unternehmen in europäischen Ländern gar nicht haben dürfen. Das ist zumindest das Bild, das man in den USA über Europa in dieser Frage hat. Verbraucherorganisationen und Datenschützer in den USA halten ihrer Regierung also Europa als Beispiel vor.

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