Weiterbildung

Außer Spesen kein Effekt

Der Großteil der Trainings und Weiterbildungen für Angestellte deutscher Unternehmen sind reine Kostenverursacher, die keinen Mehrwert darstellen.
Foto: pixelio.de, S. Hofschlaeger
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Wie eine repräsentative Befragung unter 325 Führungskräften der Beratungsfirma German Consulting Group ergeben hat, gaben über 60 Prozent an, dass Weiterbildungsprogramme wie Seminare oder Workshops für die Mehrheit der Mitarbeiter keine Weiterentwicklung bedeutet. Unternehmen hätten zwar die Kosten zu tragen, die erhofften Zusatzqualifikationen blieben häufig aber aus. Problematisch sei vor allem, dass die Hauptgründe für die Teilnahme an den Veranstaltungen das Ausschöpfen vorhandener Budgets sowie Vorgaben der Personalabteilungen sind.

"Indem viele Unternehmen ihre eigenen Mitarbeiter an Weiterbildungsinstitutionen außerhalb des Unternehmens entsenden, bleiben Chancen häufig ungenutzt. Da Ausbildung immer auch Teamgeist bedeutet und dieser dann außerhalb des Betriebs stattfindet, bleiben die erwarteten positiven Effekte aus", sagt der selbstständige Unternehmensberater Bernd Höhne . Laut dem Fachmann sollten die Weiterbildungen nicht nur in Abstimmung auf die Bedarfstruktur und das Anforderungsprofil der Mitarbeiter, sondern vor allem im Unternehmen selbst durchgeführt werden. Wie die German Consulting Group auch heraus fand, hat der Konjunkturverlauf einen Einfluss auf die Bereitschaft vieler Unternehmen, die Beschäftigten zu Weiterbildungen zu schicken.

Boomt die Konjunktur und steigen somit auch die Unternehmensumsätze, nimmt die Anzahl der Entsendungen von Mitarbeitern zu Weiterbildungslehrgängen zu. Bei einer gegenteiligen Entwicklung sinkt die Bereitschaft der Unternehmen zu Investitionen in diese Richtung. "Die Wertschätzung von Trainings und Weiterbildungen scheint angesichts dieses Phänomens mit dem Kassenstand der Unternehmen zu korrelieren", stellt Höhne fest. Zu diesem Schluss kommen auch die Studienautoren. So würden die Führungskräfte von vornherein nicht an die Sinnhaftigkeit von Weiterbildungsmaßnahmen glauben. Allerdings wollen sie auch nicht riskieren, ihre laufenden Budgets zu verlieren. Hinzu kommt aber auch die Angst, bei Personalabteilungen oder Betriebsräten als nicht kooperativ zu gelten.

"Prinzipiell sind Weiterbildungen, Schulungen, Workshops und Seminare nichts Schlechtes. Das Problem liegt vielmehr darin, dass diese nach wie vor zu tool- und werkzeugorientiert sind - Stichwort: Business-Intelligence-Werkzeuge - und die Mitarbeiter damit später nichts anzufangen wissen. Wer ein Taschenmesser hat, ist eben noch längst kein Schnitzmeister", gibt Höhne zu bedenken. Wie die Studie heraus fand, werden pro Jahr über 1.000 Euro je Mitarbeiter in bis zu 80 Prozent der befragten Firmen ausgegeben. Hochgerechnet auf alle deutschen Betriebe beläuft sich der Betrag auf mehrere Mrd. Euro. Nicht nur die Mitarbeiter sind teilweise desinteressiert. Auch die Vorgesetzten kümmern sich im Schnitt weniger als fünf Prozent aktiv um die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. (pte/jp)

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