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Wegen Windows XP: Berlin soll 10.000 PCs abschalten

20.04.2015 | 09:45 Uhr |

Müssen die Berliner Behörden am Dienstag zehntausende PCs abschalten oder zumindest deren Internetverbindung kappen? Weil auf den PCs immer noch Windows XP läuft? Das fordert zumindest der Berliner Datenschutzbeauftragte. Update 20.4.: Stellungnahme des Berliner Datenschutz-Beauftragten.

Müssen die Berliner Behörden am Mittwoch, den 15.4., einige zehntausend Windows-Rechner abschalten? Weil darauf immer noch Windows XP läuft und ab Dienstag, den 14.4., Microsoft keine Notfall-Updates mehr bereit stellt? Das fordert zumindest der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Dr. Alexander Dix in einem Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Die Lage

Laut Dr. Dix nutzt die Berliner Verwaltung immer noch auf vielen 10.000 Rechnern das Microsoft-Betriebssystem Windows XP. Den Support für XP hat Microsoft bekanntlich am 8. April 2014 eingestellt. Seitdem stellt Microsoft keine Sicherheits-Updates mehr für Windows XP bereit (mit einer Ausnahme für den Internet Explorer).

Doch weil die Berliner Behörden zum 8. April 2014 immer noch viele Windows-XP-Rechner im Einsatz hatten, handelte die Berliner Verwaltung, genauer gesagt das landeseigene IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ), mit Microsoft ein Notfallpaket aus: Microsoft liefert bis zum 15. April 2015 weiter Support für die Oldtimer-Rechner der Berliner Verwaltung und das notorisch in Finanznöten steckende Berlin zahlt dafür 300.000 Euro extra an Microsoft. Die Option stattdessen auf freie Software umzusteigen nahmen die Berliner nicht wahr.

28.900 Windows XP-Rechner der insgesamt 70.000 Rechner der Berliner Verwaltung waren damals von dem Notfallplan betroffen (Stand: 31. Oktober 2014). Dass die Berliner so hartnäckig an Windows XP festhalten, liegt unter anderem an den „offiziell 320 fachspezifischen Anwendungen (auch Fachverfahren genannt)“, von denen „75 noch nicht für Windows 7 freigegeben“ sind.
Doch nun läuft selbst dieses Notfallpaket aus. Als einzige Notmaßnahme gibt es noch eine auf dem aktuellen Stand gehaltene Antivirensoftware bis Ende 2015.

Datenschutz-Beauftragter fordert Ende des Online-Betriebs

"Das ist ein unverantwortliches Risiko", meint der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Dr. Alexander Dix. Dix weiter: „…Wir haben jetzt erneut nachgefragt, welche Maßnahmen ergriffen worden sind, aber die Verwaltung reagiert äußerst schwerfällig. Wir haben bis jetzt noch keinen Überblick, wie die Situation der Umstellung tatsächlich ist, aber wir werden den Online-Betrieb von Rechner mit Windows XP ab Mittwoch beanstanden. Das ist die einzige Möglichkeit, die wir haben. Das ist ein unverantwortliches Risiko, dem die Bürgerdaten hier ausgesetzt werden."

Die meisten dieser Veteranen stünden demnach in der Finanzverwaltung, nämlich 9097 Windows-XP-PCs. Gefolgt von 2146 XP-Maschinen in den Justizbehörden. Und 1708 PCs mit Windows XP  werkeln in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport.

Update I, 17:15 Uhr: Finanzbehörden haben bereits umgestellt

Mittlerweile gibt es aber ein Dementi zur Zahl der betroffenen Rechner. Demnach hätten zumindest die Finanzbehörden einschließlich der Finanzämter nahezu alle Windows-XP-Rechner bereits ersetzt. Davon ausgenommen seien nur einige weniger Rechner, die nicht mit dem Internet verbunden seien. Konkret sagte Jens Metzger, 2. Pressesprecher der Senatsverwaltung für Finanzen Berlin, auf Nachfrage der PC-WELT: "Die Umstellung im Bereich der Finanzverwaltung ist im Januar und Februar erfolgt – und zwar auf Windows 7. Nicht umgestellt wurden nach meiner Kenntnis ungefähr 70 Rechner, die keinen Zugang zum Internet haben."

Update II, 20.4.: Keine neuen Zahlen

Nach der obigen Klarstellung (Update I) der Berliner Finanzbehörden, die die von den Berliner Datenschützern genannten Zahlen doch deutlich nach unten korrigieren, fragte PC-WELT beim Berliner Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit nach, wie viele Rechner in der Berliner Verwaltung denn tatsächlich noch von dem Problem betroffen sind. Die Antwort von Joachim-Martin Mehlitz (Stellvertretender Pressesprecher) liegt uns nun vor:

"Wir haben keine (eigenen) Erkenntnisse, auf wie vielen Rechnern der Senatsverwaltung für Finanzen bzw. in der übrigen Berliner Verwaltung noch Windows XP zum Einsatz kommt. Wir bitten Sie daher, sich wegen der entsprechenden (aktuellen) Zahlen direkt an die jeweiligen Verwaltungen zu wenden."

Aus für Windows XP - Was jetzt? - Tech-up
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