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Werden zu selbsternannten Datenschutz-Sheriffs

12.06.2010 | 15:34 Uhr |

Angesichts einer wachsenden Datenschutzproblematik im Web formieren sich nun zunehmend mehr Nutzer zu einer selbsternannten Aufsichtsbewegung.

Datenschutzverstöße und Sicherheitslecks diverser Plattformen und Anbieter rufen private User auf den Plan, die selbstständig Google, Facebook und Co beobachten und im gegebenen Fall andere Nutzer vor Privatsphärefallen oder Verstößen warnen. Zu den Hobby-Datenschützern zählen Internet-Geeks und Entwickler gleichermaßen wie Wissenschaftler, berichtet das Wall Street Journal. So startete etwa der Web-Programmierer Will Moffat eine eigene Website namens Youropenbook.org , auf der sich Nutzer über die Privatsphärebestimmungen auf Facebook informieren kann. Seit die Seite vor einigen Wochen online ging, konnte sie bereits das Interesse von Millionen Besuchern auf sich ziehen.

"Mit der Entwicklung zum Mitmach-Netz gibt es auch immer mehr Unterstützung der Nutzer untereinander zu Datenschutzfragen. Beispielsweise geben Experten Tipps für Tools zum Selbstdatenschutz oder gründen Foren zur Diskussion", sagt Marit Hansen, stellvertretende Landesbeauftragte beim Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein , gegenüber pressetext. Viele derjenigen, die sich zu dem Thema zu Wort melden, seien tatsächlich auch Experten darin. "Ihre Warnungen basieren meist auf guten Recherchen und sind ernst zu nehmen."

Allerdings, warnt Hansen, ist es hier wie bei allen Bereichen der Gesellschaft. Nicht alle Leute recherchieren fundiert und manche setzen auch ungerechtfertigte Warnungen in die Welt. "Wenn etwa vor der Nutzung einer Website von solchen Stimmungsmachern gewarnt wird und sie auf einer Art schwarzen Liste landet, kann dies für die Betreiber und ihren Ruf massive Auswirkungen haben - selbst wenn gar kein Fehlverhalten vorlag, ist es schwierig, davon wieder loszukommen."

Nutzer sollten daher auf den Ursprung von solchen Warnungen achten und überlegen, ob sie den Urhebern vertrauen. Dabei sei stets die Reputation der Personen oder Institutionen wichtig, so Hansen. "Man muss sich auch Gedanken machen, ob nicht ganz andere Interessen mitschwingen."

Nicht immer kommen die privaten Datenschutz-Sheriffs alleine ans Ziel, manchmal haben offizielle Institutionen die besseren Karten. "Dies betrifft etwa Möglichkeiten, die den Privatpersonen verwehrt, beispielsweise das Vor-Ort-Prüfen einer Daten verarbeitenden Stelle. Auch bestimmte Ermittlungstätigkeiten sind besser bei offiziellen Stellen zu verorten, wenn Beweise gesichert werden sollen", meint Hansen.

Google Toolbar im Visier

"Ich traue Facebook in Sachen Privatsphäre nicht", sagt Ben Edelman, Assistenzprofessor an der Harvard Business School. Er beschäftigt sich ebenfalls mit Social Networks, Google und anderen Seiten, um nachzuforschen, wo mögliche Gefahren lauern. Anfang des Jahres hatte Edelman die Google Toolbar im Visier. Über die Software, die Suchabfragen ermöglicht, ohne die Google-Seite besuchen zu müssen, hatte Suchergebnisse aufgezeichnet, selbst wenn Nutzer die Funktion schon abgedreht hatten. Laut Google wurde das Problem behoben, das ohnehin nur eine kleine Zahl an Nutzern betroffen habe, so ein Sprecher.

(pte)

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