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Nur keine Strukturen überstülpen!

18.09.2007 | 12:55 Uhr |

60 Prozent der aktuellen Vorhaben werden scheitern, prognostiziert der Harvard-Professor Andrew McAfee.

Neben dem Trendforscher und Berater Don Tapscott hatte IDC für sein europäisches ICT-Forum einen weiteren "Enterprise 2.0"-Experten engagiert. Andrew McAfee, Associate Professor an der Harvard Business School, lieferte dem Auditorium unter anderem eine brauchbare Definition des Begriffs: "Enterprise 2.0 bezeichnet den Einsatz sich selbst entwickelnder Social-Software-Plattformen innerhalb des Unternehmens beziehungsweise zwischen dem Unternehmen und seinen Partnern oder Kunden." (Siehe auch: " Unternehmen ziehen Vorteile aus Web 2.0 ".)

Web-2.0-Anwendungen zeichnen sich laut McAfee durch folgende Eigenschaften aus:

  • Plattform-basierend,

  • gemeinschaftlich,

  • komplementär zu existierenden Strukturen organisatorischer und technischer Art,

  • kollektiv,

  • konvergent sowie

  • "emergent", sprich: sich selbst entwickelnd (dynamisch, navigierbar, erweiterungsfreundlich, nicht elitär und Workflow-frei).

"2.0-Anwendungen müssen sich so weit wie möglich von den ERP-Systemen unterscheiden", forderte McAfee, "es gibt in der IT eine Tendenzen, überall einen Workflow draufzusetzen." Der Versuch, Social-Software-Plattformen in eine künstliche Struktur zu pressen, sei zum Scheitern verurteilt. Die Strukturen ergäben sich dort von selbst – durch Suchfunktionen, Links, Tags etc. Die Frage sei nur: "Werden die Unternehmens-Manager und Technologen diese Kehrtwendung mitmachen?" (Zum Thema siehe auch: " Ratschläge für ein erfolgreiches Enterprise 2.0 ".)

Bislang sieht McAfee wenig Grund zum Optimismus. Nur zehn Prozent der bereits gestarteten Enterprise-2.0-Projekte werden ein Erfolg, prognostiziert der Hochschullehrer; 30 Prozent dümpelten so vor sich hin, und 60 Prozent dürften als Fehlschlag enden. Dafür führt McAfee fünf Gründe an:

  1. Eine neue Technik muss zehnmal besser (leichter zu bedienen) sein als die alte, um sie zu ersetzen.

  2. Es wird zu häufig versucht, den Plattformen fremde Strukturen überzustülpen.

  3. Die persönlichen Vorteile wiegen den Aufwand nur selten auf.

  4. Es fehlen Anreize, mit denen die Mitarbeiter zur Teilnahme bewogen werden können.

  5. Die Unternehmenskultur ist häufig noch nicht so weit entwickelt.

"Für die zehn Prozent, die es schaffen, sind das aber gute Nachrichten", scherzte McAfee. Der Einsatz von Web-2.0-Werkzeugen mache die Unternehmen weniger gleichförmig, so seine Überzeugung. Allerdings seien die Unterschiede von außen nicht immer gleich erkennbar (siehe auch: " Blogs helfen dem Projekt-Management "). Für diejenigen, die zunächst einen Fehlschlag erleiden, hat der Harvard-Professor einen Trost in petto: Die Tools seien noch lange nicht ausgereift, es werde auf diesem Gebiet noch viele Innovationen geben. Das Enterprise 2.0 entwickle sich erst in den kommenden Jahren so richtig: "Aber genau jetzt ist die Zeit, um zu lernen, wie es geht." (qua)

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