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Warum die Apple Watch knapp ist

20.04.2015 | 11:51 Uhr |

Wer nun doch eine Apple Watch kaufen will, wird sich gedulden müssen. Im Store ist sie voraussichtlich erst ab Juni erhältlich. Auch wenn das manche schon als "Watchgate" sehen wollen - überraschend ist das nicht.

Was heute für Aufregung in den Medien sorgt, ist an sich ein alter Hut: Apples Retail-Chefin Angela Ahrendts hat in einem Memorandum an die Mitarbeiter der Stores erklärt, dass Kaufinteressenten die Apple Watch in den Stores wohl erst im Juni werden mitnehmen können. Nur wer schon am 10. April bestellt hat und einen Liefertermin zum 24. April oder kurz danach avisiert bekam, wird seine bestellte Uhr aus dem Store mitnehmen können.

Video: Apple Watch im Hands-on

Neu ist das nicht, die gleichen Informationen hatten wir schon vergangene Woche, als wir uns im Apple Store München die Smartwatch erstmals aus der Nähe betrachten können. So dreht sich Ahrendts' Memo auch eher um die für Apple ungewohnte Verkaufsmaßnahme, ein Produkt schon zwei Wochen vor dem Verkaufsstart ausprobieren zu lassen. Da Apple mit der intelligenten Armbanduhr eine völlig neue Produktkategorie eröffne, seien eben ungewöhnliche Maßnahmen notwendig gewesen. Die Aktion sei bei den Kunden bisher bestens angekommen, weswegen Ahrendts den beteiligten Store-Mitarbeitern für ihren Einsatz dankt. Bei anderen Produkten werde Apple diese Art der Preview aber nicht gewähren.

Bis zu 2,5 Millionen Vorbestellungen soll Apple kommenden Freitag erfüllen müssen , schätzen Analysten. Die Apple Watch wäre dann das begehrteste (vollkommen) neue Produkt der Apple-Geschichte. Zwar verkauft Apple von neuen iPhones am ersten Wochenende gleich zehn Millionen Geräte und kann die hohe Nachfrage sofort befriedigen, doch musste sich das erst einspielen. Vom ersten iPhone verkaufte Apple erst nach etwas mehr als zwei Monaten das millionste Gerät , beim iPod hat das fast zwei Jahre gedauert - für damalige Verhältnisse sensationell. Lieferschwierigkeiten bei neuen Produkten kennt Apple aus seiner Geschichte jede Menge.

Zuletzt war etwa das iPhone 5 im Herbst 2012 nicht so gut zu bekommen, Fertiger wie Foxconn klagten über das anspruchsvolle Design und Apples hohe Qualitätsansprüche, die große Herausforderungen an die Produktion stellten. Die Fertigung der Apple Watch dürfte sicherlich nicht schon seit Monaten laufen, bis zuletzt haben Entwickler an der Software herumgeschraubt, mit der die Uhr ausgeliefert wird. 2,5 Millionen Geräte in dutzenden Varianten in relativ kurzer Zeit zu produzieren und auszuliefern ist ohnehin eine logistische Meisterleistung. Und Apple würde sicherlich nicht den Bedarf derart überschätzen, dass zu viel produzierte Uhren wie Blei in den Regalen liegen und sich nur mit massiven Preissenkungen verkaufen ließen, sondern im Zweifelsfall die Nachfrage eher etwas niedriger ansetzen.

Apple hat also keineswegs den Verkaufsstart der Apple Watch auf Juni verschoben, die Produktionsrückstände wird der Konzern mit seinen Zulieferern in den nächsten Wochen und Monaten aufholen und das Angebot sich mit der Nachfrage einpendeln lassen. Dass es mit neuen Produkten immer etwas schwierig ist, zeigt auch der Fall des neuen 12-Zoll-Macbooks . In den USA ist es wie versprochen seit dem 10. April zu haben, in Deutschland ist noch kein Gerät im Handel aufgetaucht, die offizielle Lieferzeit beträgt vier bis sechs Wochen. Aber danach kräht kaum ein Hahn.

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