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Warnung vor Katalogisierung der Bevölkerung

05.11.2001 | 13:49 Uhr |

"Bedenkliche Katalogisierung der Gesamtbevölkerung": Die Gesellschaft für Informatik warnt vor dem Vorstoß der Bundesregierung, im Zuge der Terrorismusbekämpfung biometrische Daten in den Personalausweis zu integrieren.

Die Gesellschaft für Informatik e. V. (GI) warnt vor dem Vorstoß der Bundesregierung, im Zuge der Terrorismusbekämpfung biometrische Daten in den Personalausweis zu integrieren. GI-Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich C. Mayr bezeichnete dieses Vorhaben als "bedenkliche Katalogisierung der Gesamtbevölkerung".

"Durchdenkt man das Ansinnen der Bundesregierung konsequent, kann man nur zu dem Schluss kommen, dass die Ausweise aller in Deutschland gemeldeten Personen inklusive aller Daten in einer immensen Datenbank gespeichert werden sollen", befürchtet Mayr. Dies würde erforderlich, da nach Aussage von Innenminister Schily biometrische Daten und auch Personalausweise gefälscht werden können. Darüber hinaus müssten dann jede Polizeidienststelle und andere Behörden einen Online-Zugriff auf diese Datenbank erhalten, um die Daten abgleichen zu können, sonst sei sie sinnlos.

Den Nutzen dieses datensammelwütigen Vorhabens bezweifelt Mayr indes: "Für die Identifikation nicht gespeicherter Personen, also Einreisender mit einem fremden Ausweis, bringt das Anlegen solch einer Datenbank allerdings überhaupt nichts."

Doch nicht nur der mangelnde Nutzen einer solchen Datenbank gibt zu denken, auch die Sicherheit der gespeicherten Personendaten steht in Frage. "Jedes von außen zugängliche System hat Sicherheitslöcher. Niemand kann garantieren, dass diese Datenbank hundertprozentig vor dem Zugriff Unbefugter geschützt werden kann", so Mayr. Gerade eine Online-Datenbank mit solch sensiblen Daten werde mit Sicherheit schnell das Ziel krimineller Attacken werden.

Auch der Hamburger Datenschutzexperte Klaus Brunnstein warnte davor, biometrische Daten in den Personalausweis zu integrieren. Man müsse sich im Klaren sein, dass biometrische Daten wie ein Fingerabdruck oder ein Iris-Scan weit mehr als nur die Identität der Person verraten: "Es gilt als sicher, dass aus biometrischen Daten auf Erbkrankheiten oder aktuelle Krankheiten geschlossen werden kann". Damit werde dieses Material auch für andere interessant, wie zum Beispiel Krankenkassen oder Versicherungen.

Brunnstein warnte darüber hinaus, man müsse sich gut überlegen, "ob wir für ein (nicht einmal gesichertes) Minimum an mehr Sicherheit ein Maximum an Überwachung in Kauf nehmen wollen". Der finanzielle sowie der zeitliche Aufwand stünden in keinem Verhältnis zum erwarteten Ergebnis.

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