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Wahl-Krimi im Internet

08.11.2000 | 11:56 Uhr |

Amerika hat die spannendste Präsidentschaftswahl seit langem erlebt - so spannend, dass Millionen von Menschen sich im Internet über den aktuellen Stand informieren wollten. Dreh- und Angelpunkt war und ist Florida. Zunächst galt Al Gore als Gewinner des Staates Florida. Später wurde George W. Bush zum Sieger in diesem Bundesstaat erklärt. Mittlerweile ist jedoch wieder unklar, wer den Staat Florida für sich entschieden hat.

Amerika hat die spannendste Präsidentschaftswahl seit langem erlebt - so spannend, dass Millionen von Menschen sich im Internet über den aktuellen Stand informieren wollten. Dreh- und Angelpunkt war Florida. Nach den ersten Hochrechnungen galt Al Gore als Gewinner dieses Bundesstaates. Später wurde George W. Bush voreilig zum Sieger in Florida erklärt. Mittlerweile ist aber wieder unklar, wer diesen Staat für sich entschieden hat.

Kurz nach zehn Uhr deutscher Zeit meldete CNN wiederum, dass keiner der Kandidaten bisher Florida für sich entscheiden konnte. Laut CNN liegt Gore zur Zeit wieder vorn: 249 Wahlmänner-Stimmen stehen auf seinem Haben-Konto, Bush liegt mit 246 knapp dahinter. Wer die verbleibenden 25 Wahlmänner-Stimmen aus Florida erhält, ist der neue Präsident.

Die spannende Wahlnacht hat dazu beigetragen, dass die etablierten TV-Sender Konkurrenz aus dem Internet erhalten haben. Während der olympischen Spiele in Sydney war es Anbietern im Internet nicht gestattet, Live-Streams ins Netz zu stellen. Die TV-Anstalten wollten sich mit diesem Schritt vor der unliebsamen Konkurrenz "Internet" schützen.

Während der Präsidentschaftswahl haben die Internet-Anbieter nun ein ungeschriebenes Gesetz gebrochen: Sie veröffentlichten die ersten Wahlprognosen, noch bevor alle Wahllokale geschlossen waren. An diese Regel hatten sich bisher alle TV-Sender gehalten. Sowohl der Nachrichten-Service Inside.com, als auch Evote.com präsentierten damit den Internet-Surfern erste Prognosen, noch bevor die große TV-Anstalten damit begonnen hatten.

"Wir haben diese Entscheidung getroffen, weil es um den Ausgang der Wahl sehr eng stand", so der Chefredakteur Michael Hirschorn gegenüber dem amerikanischen Nachrichtenservice CNet. "Das Argument, dass Journalisten damit die Wähler vom Urnengang abhalten, lassen wir nicht gelten. Man könnte auch sagen, wir haben mit diesen Informationen dazu beigetragen, mehr Bürger zur Wahl zu animieren", so Hirschorn weiter.

Die von den Websites veröffentlichten Prognosen basierten auf den Daten von "Voters News Service". Dabei werden Wähler nach dem Verlassen des Wahllokals gefragt, für welchen Kandidaten sie sich entschieden haben. Anhand der Auszählung dieser Daten können gute Prognosen auf das spätere Wahlergebnis getroffen werden. Der "Voters News Service " wird von TV-Stationen und Nachrichtenagenturen betrieben.

Inside.com selbst jedoch ist nicht Mitglied des "Voter News Service" und ist deshalb nicht der Ansicht, irgendwelche Verträge mit dem Service gebrochen zu haben.

"Wir haben Mails und Telefonate von Journalisten erhalten, die die ersten Prognosen des Service gesehen haben", so Hirschhorn und weiter: "Wir haben diese Informationen wie jede andere Nachricht behandelt. Nachdem mehrere Quellen übereinstimmende Informationen abgaben, haben wir die Story gebracht."

Das Interesse im Internet war im Laufe des Wahlabends so groß, dass Seiten wie MSNBC.com und Voter.com teilweise nicht mehr erreichbar waren. Andere beliebte Websites, wie Democrats.org, brauchten länger als sonst, um im Browser angezeigt zu werden. (PC-WELT, 08.11.2000, pk)

Präsidenten zu ersteigern (PC-WELT Online, 07.11.2000)

Chaos regiert das Internet mit (PC-WELT Online, 11.10.2000)

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