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WM 2006: Chip im Fußball soll Schiri unterstützen

26.10.2005 | 11:32 Uhr |

Bei der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland könnte möglicherweise eine Technologie Einzug aufs Spielfeld halten, die den Schiedsrichter in kritischen Situationen unterstützen soll - ein Chip im Ball.

Bei der Fußball-WM 2006 wird es nicht nur Chips in Tüten oder Eintrittskarten geben, möglicherweise erhält auch der Ball eine solche Komponente, um den Schiedsrichter in kritischen Situationen zu unterstützen. Dabei wird die Position des Balls mit Hilfe einer Vielzahl von Antennen, die im Stadion angebracht werden, genau bestimmt. Situationen, bei denen unklar ist, ob der Ball über die Aus- oder Torlinie gekullert ist, sollen somit der Vergangenheit angehören (man erinnere sich an das berühmt-berüchtigte Wembley-Tor).

"Wir testen die Technologie seit einiger Zeit im Franken-Stadion in Nürnberg, und vor kurzem auch bei einem FIFA-Turnier für unter 17-Jährige in Peru", erklärte Günter Rohmer, Direktor für Performance-optimized Systems beim Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen in Erlangen. "Die Technologie hat gut funktioniert und wir sind optimistisch, dass sie nächstes Jahr bei den Spielen in Deutschland zum Einsatz kommen wird."

Der Chip im Ball dient aber nicht nur zur Positionsbestimmung, er kann auch für weitere statistische Informationen - beispielsweise über einzelne Spieler - genutzt werden, so Rohmer auf der IT-Messe Systems in München. Der Ball wurde von der Adidas Salomon AG, der Software-Firma Cairos Technologies AG und dem Fraunhofer Institut entwickelt.

Die Technologie basiert auf einem ASIC-Chip (application-specific integrated circuit) der über einen integrierten Transmitter für die Datenübertragung verfügt. Untergebracht ist der kleine Funker in der Mitte des Balls und er kann so beispielsweise auch Daten zur Beschleunigung ermitteln. Laut Rohmer wurden bereits ähnliche Chips entwickelt, die kleiner und flacher sind und in den Schienbeinschonern der Spieler untergebracht werden können.

Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings noch: Für die Funkübertragung wird das 2,4 GHz-Band genutzt, das auch bei WLAN-Systemen zum Einsatz kommt. Und genau in diesem Zusammenhang gab es Probleme, da der Ball-Chip in einigen Fällen vorhandene WLAN-Systeme störte. Hier wird laut Rohmer an einer Lösungsmöglichkeit gearbeitet, da WLAN im Stadion auch bei der WM 2006 zum Einsatz kommen soll. Eventuelle Störungen würden der FIFA wohl kaum behagen.

Bevor die FIFA letztendlich entscheidet, ob die Technologie bei der WM 2006 zum Einsatz kommen wird, soll ein letzter Test in Japan stattfinden.

Doch trotz der ganzen Technik gibt Rohmer zu bedenken: "Selbst wenn die Technologie sehr genau arbeitet, ist sie nicht perfekt - keine Technologie ist das. Unsere Technologie ist als Unterstützung gedacht. Letztlich liegt die Entscheidung, ob ein Tor gefallen ist, oder nicht, beim Schiedsrichter."

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