30.04.2012, 11:33

Hans-Christian Dirscherl

WLAN-Schüffeleien

WLAN-Datensammeln durch Google Street View war kein Versehen

Google Street View zeichnet unverschlüsselte WLAN-Daten auf - die Entwickler wussten das. ©iStockphoto/Vimax001

Vor einiger Zeit sorgte Google für ziemlich viel Aufregung, weil dessen Street View-Fahrzeuge auch persönliche Daten mitschnitten, die über ungeschützte WLAN-Verbindungen übertragen wurden. Nun liegt der Abschlussbericht vor: Die Schnüffel-Funktion wurde bewusst eingebaut, mehrere Google-Entwickler wussten demnach von der Sammelwut der Street View-Software, die verantwortlichen Manager seien aber ahnungslos gewesen.
Google hat den vollständigen FCC-Untersuchungsbericht veröffentlicht. Darin wird die WLAN-Datensammelaktion von Google untersucht. Google hatte vor einiger Zeit für Google Street View die Daten fremder WLANs zur Positionsbestimmung benutzt und damit einen kleinen Datenschutzskandal verursacht. Die Software sammelte nämlich auch persönliche Informationen der WLAN-Nutzer, wie beispielsweise Mails.
Wie das Nachrichtenportal Bloomberg berichtet, wussten die Google-Mitarbeiter, die an dem Kartenprojekt Street View arbeiteten, zunächst wohl tatsächlich nicht, dass ihre Software fremde WLAN-Daten sammeln würde. Das haben die Google-Mitarbeiter gegenüber der U.S. Federal Communications Commission erklärt.
Aber: Der namentlich nicht genannte Ingenieur (er wird in dem Untersuchungsbericht immer nur als „Doe“ bezeichnet), der die Software entwickelt hat, informierte zwei Ingenieure, die mit ihm zusammen an dem Projekt arbeiteten, von der Datensammelfunktion der Software. Er habe diese Mitschnitt-Funktion bewusst eingebaut, um die Ortungsfunktion verschiedener Google-Dienste zu verbessern.
Diese Information sollen aber angeblich nicht weiter vorgedrungen sein: Die verantwortlichen Google-Manager und die übrigen Team-Mitglieder hätten von dieser Sammelfunktion, die  2007 begann und bis April oder Mai 2010 dauerte, nichts gewusst.
Die FCC untersuchte, ob Google bei seinem Street View-Projekt mit der WLAN-Daten-Sammelaktion gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen habe. Die Behörde kam nun zu dem Schluss, dass Google nicht gegen geltende Gesetze verstoßen habe und will deswegen gegen Google keine Geldstrafe verhängen. Der Suchmaschinen-Gigant musste allerdings bereits 25.000 US-Dollar Geldstrafe bezahlen, weil er nicht mit der Untersuchungsbehörde zusammengearbeitet hat.
Google hat den FCC-Untersuchungsbericht freiwillig veröffentlicht, nur die darin enthaltenen Personennamen wurden unkenntlich gemacht. Google zeigte sich in einer ersten Stellungnahme über das Ergebnis der Untersuchung erleichtert und hofft, dass die Angelegenheit damit erledigt ist.

WLAN-Daten wurden bewusst gesammelt

Als wichtiges Fazit zum WLAN-Datensammeln bei Street View lässt sich festhalten: Anders als Google zunächst behauptet hatte, handelt es sich bei der Datensammel-Funktion NICHT um ein Versehen, sondern stattdessen um eine bewusst eingebaute Funktion, die mehreren Personen bekannt war.
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