13.06.2008, 10:01

Jürgen Hill

WLAN

Das sollten Sie bei 802.11n-Produkten beachten

Der neue WLAN-Standard 802.11n erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 300 Mbit/s. Die ersten Geräte sind schon auf dem Markt, obwohl der Standard noch nicht endgültig verabschiedet ist. Bevor man Geld ausgibt, sollte man einige Dinge wissen.

Bereits Ende letzten Jahres haben die ersten PC-Hersteller damit angefangen, WLAN-Module nach dem 802.11n-Standard in ihre Geräte einzubauen. Spätestens seit der letzten CeBIT sind private und professionelle Anwender auch mit Routern und anderen Geräten wie Wireless Bridges für Spielekonsolen, Repeater oder Multimedia-Boxen konfrontiert worden. Die Begeisterung ist nach wie vor groß, denn die WLAN-Technik der neuen Generation verspricht Bruttotransferraten von bis zu 300 Mbit/s beziehungsweise 600 Mbit/s – zumindest in der Theorie.
Vor dem Griff zum Geldbeutel ist jedoch etwas Vorsicht geboten, denn einige Dinge über den neuen Standard sind noch nicht endgültig geregelt. Das beginnt mit dem Standard selbst, der die Standardisierungsgremien noch nicht verlassen hat. Momentan diskutiert man beim IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) Entwurf 5, die meisten Geräte auf dem Markt richten sich nach Entwurf 2 des Standards. Allerdings geht es bei den derzeitigen Diskussionen eher um Feinheiten wie beispielsweise die Verbesserung der Interoperabilität.
Mit einer endgültigen Version ist eher für 2009 zu rechnen, einige Hersteller wie D-Link sind optimistischer und erwarten ihn für Ende dieses Jahres. Die Hersteller beteuern jedoch, dass Geräte nach Draft 2.0 sich zu einem späteren Zeitpunkt problemlos über die Firmware auf den endgültigen Standard werden aufrüsten lassen. "Das ist mit einem Upgrade machbar", versichert Mike Lange, Leiter Business Development bei D-Link. Und Änderungen an der Hardware, ergänzt Patrick Lo, Chairman und CEO von Netgear, brauche der Anwender bei der endgültigen Standardversion nicht zu befürchten. Laut Lo gehe es bei den jetzigen Diskussionen nur noch darum, inwieweit und in welcher Form das schnelle 802.11n-WLAN auch in Consumer Electronics wie Handys, Kameras etc. Einzug halte.
Unterschiedliche Interpretationen
Allerdings stellt sich dabei zwangsläufig die Frage, warum sich Hersteller von solchen Kleinigkeiten so lange aufhalten lassen. Lange räumt ein, dass es aus IT-Sicht einen wichtigen strittigen Punkt gibt: Welche Frequenzbänder muss 802.11n-Equipment unterstützen? Einer der Vorteile der neuen Technik ist, dass 802.11n sowohl das 2,4- als auch das 5-Gigahertz-Frequenzband nutzen kann. Die bisherigen 54 Mbit/s schnellen Standards 802.11g und a waren jeweils nur für ein Frequenzband definiert.
Die Meinung in der Indusitrie ist in diesem Fall geteilt. Ein Teil der Hersteller glaubt, ein Gerät müsse nur ein Frequenzband unterstützen, während andere der Ansicht sind, ein 802.11n-Produkt müsse sowohl den 2,4- als auch den 5-Gigahertz-Bereich beherrschen. In der zweiten Gruppe gibt es darüber hinaus zwei Interpretationsansätze: Für die einen funkt ein "echtes" 802.11n-Device in beiden Frequenzbändern gleichzeitig (concurrent). Andere dagegen halten es lediglich für erforderlich, dass der Benutzer am Endgerät zwischen 2,4 und 5 Gigahertz wählen (switchable) kann.
Der Leidtragende dieses Verwirrspiels ist der Anwender: Er muss beim Kauf höllisch aufpassen, denn für alle drei Interpretationsarten finden sich entsprechende Produkte im Handel. So räumt etwa Netgear-CEO Lo ein, dass sein Unternehmen derzeit nur Ein-Band-Produkte im Programm hat. Und bei manchem Dual-Band-Gerät ist ein Blick ins Datenblatt nötig, um zu erkennen, ob es sich um eine switchable oder concurrent Version handelt.
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